Druckschrift 
8 (1928)
Entstehung
Seite
229
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Predigt am Sonntage Trinitatis. 22S

ein Schloß oder einen Berg über zehen Meilen sehen, item, daßein Mensch, wenn er schlaft, dem Leibe nach todt ist, und den-noch lebet. Können wir doch das geringste Ding von uns selbstnicht wissen, wie es zugehe, daß einem ein Harlein wüchset, undwollen in des Teufels Namen mit unserer Vernunft, die in ihreneigenen Sachen so blind ist, ohn Gottes Wort hinauf in denHimmel klettern und Gott in seiner Majestät fassen und ankecken.Willst du ja deiner Vernunft und Klügelns brauchen, warumbrauchest du es nicht an dir selbst in denen Dingen, da du dochtaglich mit umgehest, und fragest, wo deine fünf Sinne bleiben,wenn du schlafest, wo deine Stimme herkomme, wenn du lachest w.In solchen Sachen mochte man sich ohne Sünde bekümmern; hieraber, was und wie das einfaltige Wesen sey, da bleibe man ein-fältig bev dem Wort, das saget, wie Christus sey ein Ebenbilddes unsichtbaren Gottes und sey der Erstgeborne vor allen Crea-turen, das ist, daß er gleich Gott sey mit dem Vater. Daher erabermal, Joh. 5, 23, spricht: Sie sollen den Sohn ehren, wiesie den Vater ehren-, item: Wer an mich glaubet (spricht er, Joh.12, 44.), der glaubet nicht an mich, sondern an den, der michgesandt hat; item, Joh. 14, 1.- Glaubet ihr an Gott, so glaubetihr auch an mich; item, Joh. 16, 15: Alles, was der Vater hat,das ist mein :c. Diese und dergleichen Sprüche leiden nicht, daßman ein Loch hindurch bohre. Denn Gott hat es geredet, dernicht lüget, und allein weiß, wie von Gott recht zu reden sey, undist also dieser Artickel starck genug in der heiligen Schrift gegrün-det. Darnach, wenn man diß hat, so folget die dritte Person,der Heilige Geist, den heißt man in der Schrift etwa den GeistGottes, etwa seine Seele. Der heifit und ist nicht geboren, wieder Sohn, sondern gehet aus vom Vater und dem Sohn, das isteine solche Person, die da hat das göttliche Wesen in Ewigkeit,vom Vater uud dem Sohn zugleich, wie es der Sohn allein vomVater hat: daß es also drey unterschiedliche Personen sind, dochin einem einigen göttlichen Wesen und Majestät. Denn also haltes uns die Schrift vor, daß der Herr Christus sey Gottes Sohnvon Ewigkeit und des Vaters Ebenbild, gleich groß, gewaltig,weise, gerecht, daß nichts im Vater ist von Gottheit, Weisheit,Kraft und Macht, es ist in ihm auch und in dem Heiligen Geist,der vom Vater und Sohn ausgehet. So nun jemand wissen will,wie es zugehe, dem sage, es sey ein unbegreiflich Wesen, über alleEngel und Creatur, da man nicht mehr von wissen könne, dennuns die Schrift anzeiget. Darum haben die Väter recht gethan,