Druckschrift 
8 (1928)
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230
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230 Predigt am Sonntage Trinitatis.

daß sie den Glauben oder Symbolum cinsältiglich also gefasserhaben, wie ihn die Kinder beten: Ich glaube an Gott Vater,Schopfs» Himmels und der Erden, und an Jesum Christum,seinen einigen Sohn :c., und an den Heil. Geist. Diese Bekennt-niß haben wir nicht gemachet noch erdacht, die vorigen Vater auchnicht; sondern, wie eine Biene das Honig aus mancherley scho-nen, lustigen Blümlein zusammen zeucht, also ist diß Symbolumaus der lieben Propheten und Apostel Büchern, das ist aus dergantzen heiligen Schrift, fein kurtz zusammen gefasset für die Kin-der und einfältige Christen: daß man es billig nennet der ApostelSymbolum oder Glauben. Denn es ist also gestellet, daß mansnicht hatte besser und feiner so kurtz und klar können fassen, undist von Alters her also in der Kirche verblieben, daß es entwederdie Apostel selbst haben gestellet, oder je aus ihrer Schrift oderPredigten von ihren besten Schülern zusammen gebracht ist.

Zum ersten hebet es an: Ich glaube. An wen? An Gottden Vater. Diß ist die erste Person in der Gottheit. Und daßman alle drey Personen desto eigentlicher könne unterscheiden, wirdeiner jeden Eigenschaft und Werck, darinn sie sich insonderheit er-zeiget, kürtzlich ausgedrücket. Als, Key der ersten Person dasWerck der Schaffung. Denn, wiewohl es wahr ist, daß diß Wercknicht allein einer Person, sondern des einigen, gantzen, göttlichen,ewigen Wesens ist, daß man sagen muß: Gott der Vater, Gottder Sohn, Gott der Heilige Geist hat Himmel und Erden geschaf-fen, doch wird hier solch Werck bey der Person des Vaters gemel-det, als der da ist die erste Person, weil er sich sonst in keinemWerckc sichtbarlich und äußerlich erzeiget, denn in der Schassungaller Creaturen, welches ist das erste Werck der göttlichen Maje-stät gegen den Creaturen. Aber eigentlich und insonderheit wirder mit diesem Wort (Vater) von den andern Personen unterschie-den, damit zu zeigen, daß er die erste Person, und von keinemandern ist; der Sohn aber und der Heilige Geist von dem Vatersind.

Darnach spricht der Glaube weiter: Ich glaube noch an ei-nen, der ist auch Gott; (denn glauben ist ein solch Ding, daskeiner Creatur, sondern allein Gott gebühret.) Wie Heisset erdenn? Jesus Christus, sein einiger, eingeborner Sohn. So habendie Christen gebetet nun wohl mehr, denn fünfzehn hundert Jahr,ja, alle Gläubige von Anfang der Welt, und ob sie wohl ebendiese Worte nicht gehabt, haben sie doch eben dasselbige gegläubetund bekennet. So ist nun das der erste Unterschied Gottes des