Predigt am Pft'ngfltage. 22 l
Lieber Vater, ist das dein Wille, daß du mir so grosse Liebe undTreue erzeigest, die nicht gnug zu ermessen ist, so will ich dichauch von Hertzen lieb haben, und fröhlich und gerne thun, wasdir gefallt. Da stehet das Hertz Gott nimmer mit schelen Augenan, dcnckct nicht, er werde ihn in die Hölle werfen, wie vorhin,ehe der Heilige Geist kam, da es keine Güte, keine Liebe nochTreue, sondern nichts, denn Zorn und Ungnade Gottes fühlete.Nun aber der Heilige Geist solches ins Hertz drücket, daß ihmGott so freundlich und gnädig sey, so wird es fröhlich und uner-schrocken, daß es um Gottes willen alles thut und leidet, was zuthun und zu leiden ist.
Also sollst du den Heiligen Geist lernen kennen, daß du wis-sest, wozu er gegeben und was sein Amt sey, nemlich, daß er denSchatz, Christum, und alles, was er hat, uns geschcncket unddurchs Evangelium verkündiget, anlege und dir in dein Hertz gebe,auf daß er dein eigen sey. Wenn er nun das ausgerichtet unddu solches in deinem Hertzen fühlest, so folget, daß man mußsprechen: Ist das die Meynung, daß meine Wercke hiezu nichtshelfen, sondern der Heilige Geist muß es thun, was will ich michdenn mit meinen Wcrcken und Gesetzen bleuen? Also fallen alleMenschcnwcrcke und Gesetz dahin, ja, auch Mösts Gesetze; dennder Heilige Geist lehret ihn besser, denn alle Bücher, daß er dieSchrift besser verstehet, denn alle, die mit dem Gesetz allein um-gehen. Darum bedarf man der Bücher nicht weiter, denn, sol-chen Glauben zu stärcken, und andern auch zu beweisen, daß esalso darinnen geschrieben ist, wie es der Heilige Geist lehret.Denn wir müssen nicht den Glauben allein bey uns halten, son-dern lassen heraus brechen, welchen zu gründen und zu beweisenwir müssen die Schrift haben. Darum siehe je darauf, daß duja den Heiligen Geist nicht für einen Gesetzmacher haltest, son-dern für den, der das Evangelium Christi ins Hertz prediget,und den Menschen so frey mache, daß kein Buchstabe da bleibe,oder nur um des Predigens willen bleibe. Aber hier soll manauch verständig seyn, und wissen, daß biß alles nicht also zugehe,als sey ein solcher Mensch, der den Heiligen Geist hat, so baldschon gar vollkommen, daß er nichts fühle vom Gesetz und vonder Sünde und sey allerdinge rein. Denn wir predigen nicktalso vom Heiligen Geist und seinem Amt, als habe ers schon garausgerichtet und vollbracht, sondern also, daß er es habe ange-fangen, und jetzt immer im Schwange gehe, da ers je mehr undmehr treibet und nicht aufboret. Darum wirst du keinen solchen