Druckschrift 
8 (1928)
Entstehung
Seite
219
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Predigt am Pfkngsttage. Ukt>

haben seyn. Denn also fühlet sich gewißlich die Natur, daß sielieber thäte, was sie gelüstet, und muß doch anders thun. Dennsie gedencket also: Siehe, Gott will mich strafen und in die Höllewerfen, wenn ich seine Gebote nicht halte. So fühlet sich meineNatur, daß sie es unqerne und mit Unlust wider ihren Willen thut.Darum wird der Mensch so bald Gott seind um der Strafe wil-len, disweil er fühlet, daß er ein Sünder ist und nicht recht mitGott stehet, und kann ihm nicht hold seyn, ja, er lieber wollte,daß kein Gott wäre. Solcher Groll wider Gott stecket im Her-tzen, wie schön sich auch die Natur von aussen will schmücken.Darum stehet man, wie das Gesetz, dieweil es noch schriftlich undim Buchstaben ist, niemand fromm machet, noch ins Hertz kömmt;davon wir anderswo viel geprediget und geschrieben haben.

Das andere Gesetz ist geistlich, das schreibet sich mit keinerFeder noch Dinten; redet sich auch nicht mit dem Munde, wieMoses mit steinern Tafeln umging; fondern, wie wir hiersehen in dieser Geschichte, der Heilige Geist kommt vom Him-mel und erfüllet sie alle mit einander, daß sie zerspaltene und feu-rige Zungen gewinnen und frey predigen, anders, denn vorhin,daß sich jedermann darüber entsetzet und verwundert. Da kommter und durchgeußt das Hertz, und macht einen andern Menschen,der nun Gott lieb hat, und gerne thut, was er will, welchesnichts anders ist, denn der Heilige Geist selbst, oder je das Werck,das er thut im Hertzen. Da schreibet er eitel feurige Flammenins Hertz, und machet es lebendig, daß es heraus bricht mit feu-riger Zungen und thätiger Hand, und wird ein neuer Mensch,der da fühlet, daß er gar einen andern Verstand, Gemüth undSinn gefasset habe, denn zuvor, und ist nun alles lebendig,Verstand, Licht, Muth und Hertz, das da brennet und Lust hatzu allem, was Gott gefallet. Das ist der rechte Unterscheid zwi-schen dem schriftlichen und geistlichen Gesetze Gottes, dabey manflehet, was des Heiligen Geistes Werck sey. Daraus soll manauch lernen, was des Heiligen Geistes Amt sey in der Kirche,und wie oder wodurch er empfangen wird und in den Hertzenwircket. Bisher hat malt also von ihm geprediget, daß er alleinmache und eingebe, was die Concilia beschließen, und was derPabst im geistlosen Recht gebeut, so doch das alles nur äußerlichDing ist, von äußerlichen Dingen gebeut, und äußerlich regieret.Darum ist es eben widersinnisch und umgekehret; denn sie machenauch des Heiligen Geistes Werck ein schriftlich, todt Gesetz, wel-ches doch ein geistlich und lebendig Gesetz seyn sollte. Also ma-