Predigt am ersten Sonntage des Advents. 9
singen, alle Thiers sich regen, alle Menschen sich erheben, daßgleich stehet, als werde die Welt neu und alle Dinge lebend, wennder Tag anbricht und die Morgenröthe daher fahret. Darumwird in der Schrift an vielen Orten die tröstliche, lebendige Pre-digt des Evangelii der Morgenröthe und Aufgang der Sonnenverglichen, zuweilen mit Figuren, zuweilen mit öffentlichen Wor-ten; als hier Paulus mit klaren Worten nennet das Evangeliumden anbrechenden Tag. Diesen Tag macht die allerlieblichste Sonne,Jesus Christus, daher ihn nennet Malachias eine Sonne der Ge-rechtigkeit, und spricht, Cap. 4, 2: Euch, die ihr meinen Namenfürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und das Heilunter seinen Flügeln; denn alle, die an Christum glauben, em-psahen von ihm die Gläntze seiner Gnaden und Gerechtigkeit, undwerden selig unter seinen Flügeln. Davon auch Ps. 118, 24sagt: Diß ist der Tag, den da der Herr macht, laßt uns fröhlichund gutes Muths seyn. Als sollte er sagen: Den leiblichen Tagmacht die leibliche Sonne, aber diesen Tag macht der Herr selbst.Er ist selbst die Sonne, von dem die Gläntze und der Tag, dasist, das Evangelium ausgehet und leuchtet in alle Welt, Joh. 9,S: Ich bin das Licht der Welt. Und Ps. 19, 1. beschreibet eraufs allerlieblichste beyde, Sonne und Tag, Christum und dasEvangelium, und spricht: Die Himmel verkündigen Gottes Ehre;das ist, gleichwie die leiblichen Himmel bringen die Sonne undden Tag, und die Sonne ist in den Himmeln, also bringen undhaben in sich die Apostel mit ihrem Predigen die rechte Sonne,Christum ?c. Und folget: Er hat der Sonnen eine Hütten indemselbigen gemacht, und sie gehet Herfür, wie ein Bräutigamaus seiner Braut Kammer; sie freuet sich als ein Held zu laustenihren Weg; sie gehet auf an einem Ende des Himmels, und läuftum bis wieder an dasselbige Ende, und ist niemand, der sich ver-bergen möge vor ihrer Hitze. Das ist alles von diesem lieblichenAnbrechen des Tages, das ist, vom Evangelio gesagt, welches dieSchrift hoch und lieblich preiset; denn es machet auch lebendig,fröhlich, lustig, thätlg und bringet alles Gut mit sich, darum esauch heißt Evangelium, das ist, eine lustige Botschaft.
Was aber der Tag uns offenbare, wer mag das alles cr-zehlen? Alle Dinge lehret er uns, was Gott sep, was wir sind,was vergangen ist, was zukünftig ist, vom Himmel, Hölle, Er-den, Engeln, Teufeln; da sehen wir, wie wir uns in diesem allenund gegen allen halten sollen, woher, wohin wir kommen. Nochhat uns der Teufel betrogen, daß wir den Tag verlassen, und bey