Druckschrift 
7 (1828)
Entstehung
Seite
25
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O. M. Luthers Auslegung des Batar Unsers w. 25

Nun mercke:

Es sind zween grosse Jrrthümer in dieser Materie. Dererste, die da hin und her lausten, daß sie fromm werden, zu Got-tes Reich kommen und selig werden, einer gen Rom, der zu St.Jacob, der bauet eine Capelle, der stifflet bist, der das; aber zudem rechten Punct wollen sie nicht greiffen, das ist, daß sie inn-wendig sich selbst Gott zu eigen geben und sein Reich würden,thun viel solcher ausserlichcr Wercke, und gleisten fast hübsch, blei-ben doch innwendig voll böser Tücke, Zorns, Haß, Hossart, unge-duldig, unkeusch :c. Wider die spricht Christus, da er gefragtward, wenn das Reich Gottes käme, Luc. 17, 2(1. 21: Das ReichGottes kömmt nicht mit einem ausserlichen Gebende oder Schein;nehmet wahr, das Reich Gottes ist in euch inmwendig. Als erauch Matth. 24, 24. ff. sagt. Man wird nicht i'agen: Siehe da,oder da ist es. Und so man euch wird sagen: Siehe da, oder daist es, so sollt ihrs nicht gläuben. Denn es sind falsche Prophe-ten. Als spräche er: Wollet ihr das Reich Gr ttes wissen, sodürft ihrs nicht weit'fuchen, noch über Land lauffen. Es istnahe Key dir, so du willst. Ja, es ist nicht allein bey dir, son-dern in dir. Denn Zucht, Demuth, Wahrheit, Keuschheit undalle Tugend (das ist das wahre Reich Gottes,) mag niemandüber Land oder über Meer hohlen, sondern es muß im Hertzenausgehen.

Darum beten wir nicht also: Lieber Vater, laß uns kom-men zu deinem Reich! als sollten wir darnach lauffen, sondern:Dein Reich komme zu uns. Denn Gottes Gnaden und seinReich, mit allen Tugenden, muß zu uns kommen, sollen wir esüberkommen, wir mögen nimmermehr zu ihm kommen; gleich-wie Christus zu uns vom Himmel auf die Erden kommen ist,und nicht wir von der Erden zu ihm gestiegen sind in den Himmel.

Der andere Jrrthum, daß viel sind, die diß Gebet sprechen,allein Sorge gehabt, daß sie nur selig werden, und verstehen durchdas Reich Gottes nichts anders, denn Freude und Lust im Him-mel, wie sie denn aus fleischlicher Sinnlichkeit dencken mögen,und werden dadurch gedrungen, daß sie die Hölle fürchten, undasso nur das Ihre und ihren Eigennutz im Himmel suchen.

Dieselben wissen nicht, daß Gottes Reich scy nichts anders,denn fromm, züchtig, rein, milde, sanft, gütig, und aller Tugendund Gnaden voll seyn, also, daß Gott das Seine in uns habe,und er allein in uns sey, lebe und regiere. Diß sollte man amhöchsten und ersten begehren. Denn das heißt selig seyn, wenn

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