Druckschrift 
7 (1828)
Entstehung
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24 U. M. Luthers Auslegung des Vater Unser? ,c.

wollten auch, so sie möchten, immer darinnen bleiben. Dieseräumen dem Teufel ein und ringern, verwüsten auch GottesReich. Darum sammlen sie Güter, bauen prächtiglich, suchen al-les, was die Welt vermag zu geben, gleich als ob sie ewig hierbleiben wollten, gedencken nicht, daß wir hier keine Statte haben,zu bleiben, als St. Paulus sagt Ebr. 13, 14. Diese beten bißGebet mit dem Munde, aber mit dem Hertzen widersprechen siedemselben, und sind gleich den blepernen Orgelpfeifen, die plerrenund schrepen fast in der Kirchen, und haben doch weder Wortnoch Verstand. Und vielleicht sind die Orgeln derselben Sängerund Beter Figuren und Anzeiger.

Das andere Reich ist Gottes Reich, das ist ein Reich derGerechtigkeit und Wahrheit, davon Christus sagt, Matth. 6, 33-Suchet vor allen Dingen das Reich Gottes und seine Gerechtig-keit. Was ist Gottes oder seines Reichs Gerechtigkeit? Das ists,wenn keine Sünde mehr in uns ist, sondern alle unsere Glieder,Kraft und Macht Gott untcrthan und in seinem Brauch sind,daß wir mit Paulo sagen mögen, Gal. 2., 20: Ich lebe jetzt,aber nicht ich, sondern Christus in mir; und 1. Cor. 6, 20: Ihrseyd nicht euer selbst eigen, ihr seyd gekauft mit einem theuernSchatz, darum so sollt ihr Gott würdigen und tragen in euremLeichnam. Als spräche er: Christus hat euch gekauft durch sichselbst, darum sollt ihr sein seyn, und ihn lassen in euch leben undregieren. Das geschieht aber, wenn keine Sünde in uns regie-ret, sondern allein Christus mit seinen Gnaden. Also ist GottesReich nichts anders, denn Friede, Zucht, Demuth, Keuschheit,Liebe und allerley Tugend, und daß nicht da sep Zorn, Haß, Bit-terkeit, Unkeuschheit und alles desgleichen.

Nun probire sich ein jeglicher selber, ob er hier oder dazusich geneigt findet, so wird er innen, in welchem Reiche er sep.Nun ist niemand, er findet dennoch etwas in ihm von des Teu-fels Reich. Darum muß er bitten: Zukomme dein Reich. DennGottes Reich wird hier wol angefangen, und nimmt zu; es wirdaber in jenem Leben vollbracht.

Also ist es kürtzlich gesagt, zukomme dein Reich: Lieber Va-ter, laß uns hier nicht lange leben, aus daß vollkommen werde inuns dein Reich, und wir erlöset werden gantzlich von des TeufelsReich; oder, so dirs also gefallt, noch länger in diesem Elendeuns zu lassen, so gib uns deine Gnade, daß wir dein Reich inuns mögen anheben und ohne Unterlaß mehren, dem Teufel seinReich mindern und zerstören.