Druckschrift 
7 (1828)
Entstehung
Seite
21
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l). M. Luthers Auslegung des Vater UnserS ?c. 21

über allen und in allen Dingen gesucht werde, und alle unserLeben ewiglich allein zu Gottes Ehren gelange, nicht zu unsermNutz, auch nicht zu unserer Seligkeit, oder etwas Gutes, es seyzeitlich oder ewig, es sey denn zu Gottes Ehren und Lob endlichverordnet.

Darum ist biß das erste Gebet. Denn Gottes Ehre da§erste, letzte, höchste ist, das wir ihm geben können, und er auchnichts mehr suchet und fordert. Wir können ihm auch sonstnichts geben-, denn alle andere Güter gibt er uns, die Ehre aberbehält er ihm allein, daß wir erkennen, sagen, singen, leben,wircken, und alles thun und leiden, bezeugen, daß Gottes alleDinge sind, auf daß da bestehe der Spruch, Psalm 111, 3:Lob und groß Ehre ist sein Werck, und seine Gerechtigkeit bleibtewiglich. Das ist soviel gesagt: In welchem Menschen Gott woh-net und lebt, desselben Menschen Wercke thun nichts anders, denndaß sie Gott groß Lob und Ehre geben, und ihm alles zuschreiben.Darum, so achtet derselbige Mensch nicht, daß man ihn unehretund verachtet; denn er weiß, daß also recht ist. Und so ihn nie-mand verachten will und Unehren, so thut er es selber, und magnicht leiden sein Lob und Ehre. Und darum ist er gerecht, gibtGott, was Gottes ist, und ihm selbst, was sein ist; Gott dieEhre und alle Dinge, ihm selbst die Schande und nichts. Dasist die Gerechtigkeit, die ewiglich bleibet. Denn sie gefället nichtallein den zeitlichen Menschen, wie der thörichten Jungfrauen Lam-pen und der scheinenden Heiligen Frömmigkeit, Matth. 25, 6. 7.,sondern dem ewigen Gott, vor dem sie denn auch ewiglich bleibet.

Nun merckest du, daß biß Gebet wider die leidige Hoffart sich-tet, die denn das Haupt, Leben und gantzcs Wesen aller Sünde ist.Denn zugleich wie keine Tugend lebet oder gut ist bey der Hos-farr, also wiederum lebet oder schadet keine Sünde, wo die Hof-fart tod ist. Und wie eine Schlange all ihr Leben im Hauptehat, und wenn das tod ist, so thut sie niemand nichts: also, wenndie Hoffart tod wäre, so wären alle Sünden unschädlich, ja großforderlich. Darum, wie niemand ohne Hoffart ist und eigenenNamens und Ehre Geitzr also ist niemand, dem biß Gebet nichthoch noth und nütze sey.

Die andere D i r r e.

Zukomme dein Reich-

Dieß andere Gebet, wie die andern, tbnt zwey Dinge, er-niedert und erhebt uns. Erniedert damit, daß es uns zwinget,