?c» v. M. Luthers Auslegung des Vater UnserS rc.
rer bist: also daß du mußt vor deinem eigenen Gebet erschrecken,wenn du bedenckest, was du betest. Denn es muß wahr seyn,daß du Gottes Namen noch nicht geheiliget habest. So mußauch wahr seyn, wer Gottes Namen nicht heiliget, daß er ihnverunheilige. Darnach auch wahr seyn muß, daß, Gottes Na-men Unehren, schwere Sünde sey und des ewigen Feuers schul-dig, so Gottes Gerechtigkeit richten sollte. Wo willst du dennnun hin? Dein eigen Gebet straft dich und ist wider dich, bezeugtdich, beklagt dich; da liegest du, wer hilft dir?
Siehe nun, wenn du also ernstlich in dich geschlagen, undin deines Elendes Erkenntniß gedemüthiget bist, denn, zum an-dern, kömmt die tröstliche Lehre, und richtet dich wieder auf;das ist, das Gebet lehret dich, daß du nicht verzweifeln sollst, son-dern Gottes Gnade und Hülfe begehren. Denn du gewiß bistund vestiglich glauben sollst, daß er dich darum hat so lehren beten,daß er dich erhören will. Und also macht das Gebet, daß dirGott nicht zurechnet die Sünde, und nicht in der Scharfe mitdir handelt. Und allein halt die Gott für gut, die da ernstlichbekennen, daß sie Gottes Namen Unehren, und stetigste!) be-gehren, daß er möge geheiliget werden.
Die aber sich auf ihr Gewissen verlassen, und nicht dafürhalten, daß sie Gottes Namen Unehren, ist nicht möglich, daßsie behalten werden. Denn sie sind noch zu frey, sicher, hoffar-tig und ungottesfürchtig; sie sind auch noch nicht unter demHaufen, da Christus zu spricht, Matth. 11, 2»: Kommt her zumir alle, die ihr beängstiget und beschweret seyd, ich will euch er-quicken. Denn sie verstehen das Paternoster nicht, wissen nicht,was sie beten.
Beschluß.
Ist nun die Meynung und Summa dieser Bitte: Ach, lie-ber Vater, dein Name werde geheiliget in uns! das ist, ich be-kenne, daß ich leider deinen Namen oft verunehret habe, undauch noch mit Hossart und durch meine eigene Ehre und Namendeinen Namen lästere. Darum durch deine Gnade hilf mir, daßin mir mein Name abgehe, und ich zu nicht werde, auf daß duallein und dein Name und Ehre in mir sey.
Ich hoffe, daß du auch genugsam verstanden habest, daß dasWörtlsin: dein Name, Heisse so viel, als: deine Ehre oder Lob.Denn einen guten Namen heißt die Schrift Ehre und Lob, einenbösen Namen eine Schande und böse Gerücht. Also, daß dißGebet nichts anders will, denn daß Gottes Ehre vor allen und