Druckschrift 
7 (1828)
Entstehung
Seite
18
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1? !) M. Luthers Auslegung des Vater UnserS rc.

tes Namen genugsam geheiliget; auch waren die alle unrecht,die vor Gerichte mit einander handeln um Gut, oder Ehre undandern Sachen?

Antworte ich:

Zum ersten, darum habe ich droben gesagt, daß die ersteBitte überschwenglich ist und die allergrößte, die andern alle insich begreiffend. Denn so jemand wäre, der Gottes Namen ge-nugsam heiliget, der dürfte nicht mehr beten das Pater noster;und wer so rein wäre, daß er sich keines Dinges, keiner Ehreeigen annähme, der wäre gantz rein, und der Name Gottes gantzvollkommen geheiliget in ihm. Das gehöret aber nicht in dißLeben, sondern in den Himmel.

Darum müssen wir beten und ernstlich begehren, dieweilwir leben, daß Gott seinen Namen heilige in uns. Denn einjeglicher Mensch befunden wird ein Lasterer göttliches Namens,einer mehr, denn der andere, ob es die hossärkigen Heiligen wolnicht glauben wollen.

Darum habe ich auch gesaget, daß diß Gebet nicht allein seyeine Bitte, sondern auch eine heilsame Lehre und Anzeigung un-sers elenden, verdammten Lebens auf Erden, und wirft den Men-schen hernieder in sein eigen Erkenntniß. Denn so wir bitten,daß sein Name in uns soll geheiliget werden, folget daneben,daß er noch nicht heilig sei) in uns, denn war er heilig, so dürf-ten wir nicht darum bitten. Daraus denn weiter folget, daß, die-weil wir leben, schänden, lästern, Unehren, verunheiligen, ent-weyhen Gottes Namen, mit unserm eigenen Gebet und Mundbezeugen, daß wir Gotteslästerer sind (und in diesem Leben nim-mermehr vollkommen heiligen.)

Nun weiß ich in der gantzen Schrift keine Lehre, die mäch-tiger und mehr schmähet und vernichtet unser Leben, denn dißGebet. Wer wollte doch nicht gerne bald sterben und diesem Le-ben feind seyn, (so er anders Gottes Namen hold ist,) so er hertz-lich bedenckt, daß sein Leben in solchem Wesen stehet, darinncGottes Namen und Ehre gelästert wird? Auch, wer nicht mehr,denn das Vater Unser, wohl verstünde, hätte Lehre genug wideralle Laster, sonderlich der Hoffart. Denn, wie mag der fröhlichoder hossärtig seyn, der im Vater Unser so grosse, grausame Ge-brechen von ihm selbst bekennet, daß er Gottes Namen unehret,und täglich wider das andere Gebot Gottes handelt, seinen Na-men unnützlich anziehend?

Zum andern antworte ich ihnen: Daß Gerichtshändel sind,