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v. M. Luthers Auslegung des Water UnscrS zc.
ausserlichen Schein und allein ins mündliche Gebet, und aller-meisten, da ihr eigener Nutzen gesucht wird. Möchte einer sagen-.
Steher dach geschrieben, Luc. 18, 1: Ihr sollt ohne Unter-laß beten. Antworte ich: Siehe die Worte recht an; er sprichtnicht: Ihr sollet ohne Unterlaß Blatter umwenden, Paternoster-steine ziehen, viel Worte machen und dergleichen; sondern, be-ten sollt ihr ohne Unterlaß. Was aber Beten sey, ist genug ge-sagct. Also seyn Ketzer gewesen, die heissen Euchiten, das ist Be-ter, die wollten das Wort Christi halten, und beteten (das ist,sie plapperten mit dem Munde) Tag und Nacht, und thatensonst nichts, und sahen nicht an ihre Thorheit, wenn sie ästen,trunckcn oder schliefen, daß sie das Gebet unterlassen mußten.Darum ist das Wort Christi vom geistlichen Gebet gesagt, dasmag ohne Unterlaß geschehen, auch in leiblicher Arbeit; wiewolniemand das gantzlich vollbringt. Denn wer mag allezeit seinHertz zu Gott erheben? Darum ist durch dasselbe Wort ein Zielgesetzt, darnach wir uns richten sollen, und wenn wir sehen, daßwir es nicht thun, daß wir uns erkennen als schwache, gebrech-liche Menschen, und gedemüthiget werden und Gnade bitten überunsere Gebrechlichkeit.
Also beschliessen alle Lehrer der Schrift, daß das Wesen undNatur des Gebets sey nichts anders, denn eine Aufhebung desGemüths oder Hertzens zu Gott. Ist aber die Natur und Artdes Gebets des Hertzens Aufhebung, so folget, das alles andere,was nicht des Hertzens Erhebung ist, nicht Gebet ist. Darumist Gesang, Reden, Pfeifen, wenn das hertzliche Aufsteigen nichtda ist, gleich ein Gebet, als die Nutzen in dem Garten Men-schen sind. Das Wesen ist nicht da, sondern der Schein und Nameallein. Das bewahret auch St. Hieronymus, der schreibet voneinem heiligen Vater, Agathon, daß er in der Wüsten dreyßigJahr einen Stein in seinem Munde trug, daß er wollte schwei-gen lernen. Womit hat er aber gebetet? Ohne Zweifel innerlichmit dem Hertzen, daran Gott ani meisten liegt und auch dasselbeallein anstehet und sucht. Es hilft aber wohl dazu, so man dieWorte höret und also Ursache überkommet, zu trachten und rechtzu beten. Denn, wie gesagt, sollen die mündlichen Worte nichtanders gehalten werden, denn als eine Trommete, Trommel, oderOrgel, oder sonst ein Gcschrey, damit das Hertz bewegt und er-haben werde zu Gott.
Ja, es soll niemand sich auf sein Hertz verlassen, daß er ohneWort wollte beten; er sey denn wohl geübt im Geist und habe
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