Druckschrift 
7 (1828)
Entstehung
Seite
9
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v. M. Luthers Auslegung des Vater Unsers ?c. 9

Christi im Hertzen. Denn wenn man es innerlich suchen will,so ist kein Mensch so vollkommen, der mit Wahrheit sagen möge,er habe keinen Vater hier, er habe nichts, er sey gantz fremde,und alleine Gott für einen Vater habe. Denn die Natur ist soböse, daß sie je etwas auf Erden sucht und an Gott im Himmelnicht genügen läßt.

Doch weiset das Wort aus eine Zuversicht gegen Gott, diewir allein auf ihn haben sollen. Denn uns niemand zum Him-mel helfen kann, denn der einige Vater, als geschrieben stehet,Joh. 3, 13- Niemand steiget auf in den Himmel, denn alleinder, der herabgestiegen ist, der Sohn des Menschen. In deß Hautund auf seinem Rücken müssen wir hinaufsteigen.

Also mögen nun diß Gebet beten alle arbeitende Leute, unddie auch selbst nicht wissen, was die Worte bedeuten. Und dashalte ich für das beste Gebet; denn da redet das Hertz mehr, dennder Mund.

Es stehet dieweil ein anderer in der Kirchen, und wendetdie Blatter um, und zahlet die Paternosterkörner, und klappertfast damit, und dencket mit dem Hertzen weit von dem, das ermit dem Mun-de bekennet. Das heißt nichts gebeten; denn zndenen spricht Gott durch den Propheten Esaiam 29, 13: DißVolck betet mich an mit dem Munde, aber ihr Hertz ist weit vonmir. Also findet man auch eines Theils Priester und Geistlichen,die ihre Gezeiten ohne alle innwendige Begierde schlappern über-hin, dürfen dennoch sagen ohne alle Scham: Ey, nun bin ichfrölich, ich habe unfern Herrn nun bezahlt! mepnen, sie habenGott also genug gethan.

Ich sage dir aber und gebe es zu, daß du der Kirchen Ge-bot vielleicht genug thuest; aber Gott wird zu dir sagen, Matth.15, 8: Das Volk ehret m-ich mit dem Munde, aber ihr Hertz istferne von mir. Und ist zu besorgen, daß sie sich auf dasselbe Ge-bet verlassen und nimmermehr ein Gebet zu Gott senden, undalso die am allerwenigsten beten, die da scheinen am allermeistenzu beten, und wiederum die am allermeisten beten, die da schei-nen am allerwenigsten zu beten.

Aber jetzund setzen wir unfern Trost und Zuversicht in vielGeplerre, Geichrey, Gesänge, das doch Cbristus verboten hat, alser sagt, Matth. 6, 7: Niemand wird durch viel Wortemachen er-höret. Das machen die ungeschickten Predigten, damit man dasVolk nicht, wie vor Zeiten die lieben Vater mit Arbeit und Mühezu dem rechten und innwendigen Gebet führet, sondern in dm