Druckschrift 
7 (1828)
Entstehung
Seite
8
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s v. M. Luthers Auslegung des Bater Unsers zc.

hier und dort, das ist hierinne überflüssig begriffen. Und es wärebesser, du betest ein Vater Unser mit hertzlicher Begierde undMeinung der Worte, daraus Besserung deines Lebens erwüchse,denn daß du aller Gebote Ablaß erwürbest. Nun wird diß Ge-bet getheilet in zwey «lücke. Zum ersten ist eine Lorrede, An-fang und Bereitung; zum andern sind sieben Bitten.

Oer Anfang.

Vater Unser, der du bist im Himmel.

Der beste Anfang und Vorrede ist, daß man wohl wisse, wieman nennen, ehren, handeln soll, den man bitten will, und wieman sich gegen ihm erzeigen soll, daß man ihn gnädig und ge-neiget mache, zu hören. Nun ist kein Name unter allen Namen,der mehr geschickt mache uns gegen Gott, denn Varer. Dasist eine gar freundliche, süsse, tiefe und hertzliche Rede. Es wärenicht so lieblich oder tröstlich, wenn wir sprächen, Herr, oderGott, oder Nichter. Denn der Name: Vater, ist von Natureingeboren und natürlich süsse, derohalben er auch Gort am aller-besten gefallt und, uns zu hören, ihn am allermeisten bewegt.Desselbengleichen wir uns in demselben bekennen als KinderGottes, dadurch abermal wir Gott gar innerlich bewegen; dennnicht eine lieblichere Stimme ist, denn des Kindes zum Vater.

Dazu hilft, daß wir sagen - der du bist in dem Himmel,welches sind Worte, damit wir unsere klägliche Noth und Elendanzeigen uno uns, zu bitten, und Gott, zu erbarmen, emsiglichbewegen. Denn wer anhebet zu bitten: Vater Unser, der du bistin dem Himmel, und thut das mit Hertzensgrund, der bekennet,daß er einen Vater hat, und denselben im Himmel, erkennet sichim Elend und verlassen auf Erden. Daraus denn folgen mußein hcrtzliches Sehnen, gleichwie einem Kinde, das aus seinesVaters Land unter fremden Leuten im Elend und Jammer lebt,als spräche er: Ach Vater du bist im Himmel, ick, dein elendKind, auf Erden im Elend, weit von dir, in aller Gefährlichkeit,in Jammer und Noth, unter den Teufeln und größten Feindenund mancherlei) Gefährlichkeiten.

Der also betet, der stehet mit einem richtigen, aufgehabenenHertzen zu Gott, und ist geschickt, zu bitten und zu bewegen Got-tes Gnaden. Und ist diß so ein hohes Wort, daß es nicht mög-lich ist, aus des Menschen Natur zu reden, es sev denn der Geist