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V. M. Luthers Auslegung des Vater Unsers er.
Meynung ist Christlich; viele Worte und wenig Meynung istheydnisch. Darum spricht er: Ihr sollt nicht viel reden, wennihr betet, wie die Heyden. Item Joh. 4, 24. zu dem heydnischenWeiblein sprach er: Wer Gott will anbeten, der muß ihn imGeist und in der Wahrheit anbeten; denn solche Anbeter suchetder Vater.
Nun, in dem Geist beten, oder geistlich beten, ist gegendem leiblichen Gebet also genennet, und beten in der Wahrheitgegen dem Gebet in dem Scheine genennet. Denn das Gebetim Scheine und leiblich ist das ausserliche Mummeln und Plap-pern mit dem Munde ohne alle Acht. Denn das scheinet vor denLeuten und geschieht mit dem leiblichen Munde, und nicht wahr-haftig; aber das geistliche und wahrhaftige Gebet ist die innerlicheBegierde, Seufzen und Verlangen aus Hertzens Grunde. Daserste macht Heuchler und falsche, sichere Geister; das andere machtHeilige und furchtsame Kinder Gottes.
Doch ist hier zu mercken ein Unterschied; denn das ausserlicheGebet geschieht in dreyerley Weise: Zum ersten aus lauter Ge-horsam, als die Priester und Geistlichen singen und lesen, auchdie, die auf gesetzte Busse oder gelobte Gebete sprechen. In die-sen ist der Gehorsam fast das Beste und nahe gleich einer andernleiblichen Arbeit des Gehorsams (so anders solches ans einfaltigerGehorsamsmeynung geschieht, nicht um Gelds oder Ehre undLobes willen). Denn so viel unaussprechlicher Gnade ist in demWort Gottes, daß auch mit dem Munde, ohne Andacht gespro-chen (in Gehorsamsmeynung), ein fruchtbar Gebet ist und demTeufel wehe thut.
Zum andern ohne Gehorsam, oder mit Unwillen und Unlust,oder um Geld, Ehre oder Lobes willen. Solch Gebet wäre bes-ser unterlassen. Doch wird ihnen hier ihr Lohn drum gegeben,Gut und Ehre, zeitlich; wie denn Gott die Knechte ablohnet, undnicht die Kinder.
Zum dritten mit Andacht des Hertzens; da wird der Scheinin die Wahrheit gezogen und das ausserliche in das innerliche, ja,die innwendige Wahrheit bricht heraus und leuchtet mit dem äus-serlichen Schein. Aber es ist nickt möglich, daß der viel Wortemache, der geistlich und gründlich betet. Denn die Seele, wennsie gewahr wird, was sie spricht, und in derselben Betracht aufdie Worte und Sinne denckt, muß sie die Worte fahren lassenund dem Sinne anhangen; oder wiederum, den Sinn muß siefallen lassen und den Worten nachdenckcn. Darum sind solche
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