Beschaffenheit der katholischen Kirche zur Zeit Luthers.
weil man wohl sah, daß er es mehr auf Anderer Betrieb, als auseigner Bewegung, geschrieben hatte. Ucbcrhaupt aber war es einGegenstand, der die Hauptsache nicht betraf; und dazu kam, daßer von Luthern übel abgefertigt wurde.
Auch waren die deutschen Fürsten und Stande mit dem rö-mischen Hofe übel zufrieden wegen vieler, ihnen zugcmutheter Be-schwerungen, und sie sahen wohl ein, daß man ihnen das Geldnur abnarrte, um davon in Rom ein prachtvolles und wollüstigesLeben führen zu können.
Viel that ferner zur Sache, daß man damals in großerFurcht schwebte wegen des Einfalls der Türken, und daß nament-lich Karl V., Franz I. und Heinrich VIII. dadurch sehr beunruhigtwaren, so daß man nicht Zeit hatte, auf gelehrte Streitigkeitensehr aufmerksam zu sein. Manche behaupten sogar, Karl V. habeabsichtlich zugegeben, daß sich Luthers Lehre in Deutschland ver-breiten konnte, damit eine Spaltung entstehe, und er dann Gele-genheit haben möchte, die Stande zu unterdrücken, und sich zumunbeschränkten Souvcrain von Deutschland zu machen. Dennsonst wäre es ihm ein Leichtes gewesen, den Brand im Anfangezu löschen und sich Luthers im Jahre 1521 in Worms zu bemäch-tigen, was für einen Staatsstreich gegolten haben würde. Alleinerstlich ist noch so klar nicht, ob dadurch diese Lehre würde vertilgtworden sein; sodann kann man wohl vielmehr annehmen, daß derKaiser, der damals noch jung war nicht sogleich erkannthatte, wie weit die Sache um sich greifen könnte; endlich fand eres auch wohl nicht rathsam, den Churfürsten von Sachsen, der da-mals in großem Ansehen stand, vor den Kopf zu stoßen ^).
Die Kriege mit Frankreich und den Türken ließen ihm aberdurchaus nicht zu, die Fürsten in Deutschland anzugreifen, zumalFranz l. begann sich an sie anzuschließen und ein Bündniß mitihnen zu errichten. So viel ist indessen gewiß, daß der Kaiserspäter, als er die protestantischen Stände angriff, von der Religion
Karl war 1500 in Gent geboren.
") Er war ihm sogar sehr verpflichtet. Denn Friedrich der Weisewar 1519 auf der Kaiserwahl zu Frankfurt allgemein zum Kaiser gewählt,als er es ablehnte und seine Stimme für Karl V. gab.
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