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Über das Papstthum : neu bearb.
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Leitung der Kirche durch weltliche Obrigkeit.

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Z. 6. Leitung der Kirche durch weltliche Obrigkeit.

Obgenannte Frage kann man nun auf dreierlei Art betrach-ten; erstlich: ob die Nothwcndigkeit einer solchen besonder» ober-sten Leitung in der Natur einer jeden Religion überhaupt gegrün-det sei? oder zweitens: ob sie in der besonder» Beschaffenheit derchristlichen Religion gegründet sei? oder drittens: ob sie aus einerpositiven Verordnung und einem Befehle Gottes könne hergeleitetwerden?

Durchaus unvereinbar mit den Lehren der Vernunft wärees, wenn man, aus Ursachen religiöser Zwecke, eine Trennung imStaate machen, und zweierlei von einander nicht dcpendirendeGewalten einführen wollte, weil dergleichen Theilung der oberstenGewalt oder deren Verdoppelung im Staate nichts anders, alsein stets glimmender Zunder zu inncrm Mißtrau», Eifersucht, Un-einigkeit und Zerrüttung sein würde. Hingegen streitet es keines-wegs mit einander, Gott dienen, und die oberste Leitung inDingen der Religion dem überlassen, der die oberste Gewaltim Staate hat, sobald wir dabei nur voraussetzen, daß dieseoberste Gewalt den Untergebenen nichts Falsches und Irriges auf-dringen werde. Betrachten wir zwar nur den natürlichen Men-schen, so ist offenbar, daß allerdings Jeder verpflichtet ist, Gott zuverehren, daß er aber, was die äußern Zeichen der Gottcsverch-rung betrifft, dieselben so einzurichten befugt ist, wie er glaubt,daß es Gottgefällig sei. Allein sobald die Menschen sich unter ein-ander zu Gesellschaften verbunden haben, ist jene Bestimmung denenanhcim gefallen, die die oberste Leitung der Gesellschaft bekommenhaben. So haben die ältesten Familienvater, die noch zu keinemStaatsbunde gehörten, in dieser Hinsicht die Obergewalt in ihrenFamilien gehabt, und diese Obergewalt ging sodann als Erbrechtauf den Erstgebornen über, sobald als die Brüder nach des Ba-des Staatsoberhauptes mit Vernunft und Schrift übereinstimmt, destobefähigter auch der Regcut sein wird, über Andersgläubige zu herrschen,theils, weil der richtige Glaube am wenigsten zum Proselytenmachen ge-neigt ist, theils, weil eine Aenderung in diesem Falle nur zum Bestendient; daß aber im umgekehrten Falle das Gleiche nimmermehr statt-findet.