abgewinnt. Unter geistlicher Herrschaft war die Natnr ein ver-grabenes Talent und die Menschen schliefen neben ihren Schä-tzen, ohne sie zu kennen. Freilich haben geistliche Regierungendie Unterthancn nie mit zu großen Steuern gedrückt; aber siehatten auch gar kein Recht, solche zu fordern. Wie kann eineRegierung, die für's Volk nichts thut, dasselbe schätzen? WennSie uns nun an das Sprichwort: „Untcr'm Krummsiab ist gutwohnen" erinnern, und hämisch den Rheinländern sagen, wiegroß Heuer ihre Abgaben gegen die der geistlichen Zeit seien, undwelch eine Last die damals ganz unbekannte Conscription ist: sosind Sic einerseits zu bedauern, daß Ihnen in Ihrer mittelal-terlichen Zopfpcrücke die junge, frische Kraft unserer durch denStaat geschaffenen Gegenwart nicht zusagt, die nach des HerrnWillen alle dein Menschen durch seine Huld verliehenen Kräfterüstig und munter cultivirt, und dadurch, daß sie zeigt, wie großder Mensch durch des Schöpfers Allmacht geschaffen, dieser daöschönste Loblied darbringt; andererseits aber sind Sic fast verächt-lich, daß Sie eine tobte, geist- und seelenlose, in sich selbst ver-kommene und gebundene Vergangenheit auf Kosten jener Gegen-wart loben und die Schöpfer dieser herabsetzen. Ich will esIhnen noch einmal sagen, was die Geschichte Ihnen auf jederSeite sagt, daß die Geistlichkeit nie Sinn und Gefühl für desVolkes Wohl und Glück, für seine Veredlung und Bildung ge-habt, daß sie stets Feindin alles Nationalen war oder für selbesdoch nie eine Sympathie gezeigt; daß das Schönste und Herr-lichste, was ein Volk besitzen kann, seine Sprache und die daringeschaffene Littcratur, von der Pricstcrschaft nie Liebe, Pflege,Bildung und Thcilnahme erhalten hat. Und ferner will ich Ih-nen sagen, daß diese Pricstcrschaft, mit dem Adel im Bunde,stets Feindin des Bürgcrsiandes, seiner Freiheit, seines Handels,seiner Industrie, seiner Cultur war, und daß gerade die Kirche esist, welche diejenigen Güter, die in den Augen der meisten euro-päischen Völker die höchsten sind, Freiheit des Geistes, dcö Ge-wissens, der Rede und Presse, welche die Grundlagen aller con-stitutioncllcn Verfassungen sind und sie einzig bedingen, mit dem
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten