Druckschrift 
Der erste Triarier : an Joseph von Görres
Entstehung
Seite
182
Einzelbild herunterladen
 

182

So Bruno, und er hat Recht; was er hier sagt, das willauch ich gegen Sie für ihn vertreten. Ja, die Rheinländer sindThoren, wenn Sie sich der Pricstcrschaft in die Arme werfenund mit ihr gegen den Staat sympathischen. Das politische undbürgerliche Heil der Rheinländer kann nur vom Staate, nie vonder Hierarchie ausgehen; ihre ganze Gegenwart, alles, was sieGroßes, Schönes, Erfreuliches haben, ist ihnen durch den Staatim Gegensätze zur Kirche geworden. Der Staat, d. h. die welt-liche Macht, hat den Landmann am Rhein wie in Wesiphalcnvon der Schmach und dem Joche der Leibeigenschaft befreit undihm seine Menschenrechte zurückgegeben. Der Staat, d. h. un-sere früher» Kaiser, hat die herrlichen rheinischen Städte, na-mentlich das große Köln, zu freien Reichsstädten gemacht, siemit Rechten und Privilegien geziert, und den Bürger, den vonder Feudalherrschaft deS Adels und der Pricstcrschaft cmancipir-tcn, beiden politisch ebenbürtig gemacht. Gerade Köln wird die-ses am meisten anerkennen; seine Freunde waren stets die weltli-chen Herrscher, unsere Kaiser; seine grimmigen Feinde, mit denenes blutige Schlachten geschlagen, Jahrhunderte hindurch, die eszuletzt siegreich aus seinen Mauern jagte, weil sie ihm sein bür-gerliches Wesen und seine Freiheit verkümmerten, waren die Erz-bischösc, war der Adel, der im Ministcrialdienste der letztem stand.So ist's den ganzen Rhein hinauf gewesen in allen freien Städ-ten. Tausend Beispiele sind, wo die Bischöfe die Kraft der in-dustriellen Mittelklasse durch ihren Adel und den Pöbel zu Bodenzu drücken und so die Stärke der Vürgcrfrcihcit zu vernichtentrachteten. Darum hat der Bürger am Rhein nie mit der Geist-lichkeit und dem Adel sympathisirt; er hat es bis heute für diegrößte Wohlthat angesehen, von der Herrschaft beider befreit zusein; und die Stimmen, die im vorigen Jahre bei Gelegenheiteines gewissen Statuts laut wurden, beweisen hinreichend, daßdiese Gesinnung noch heute dauert. Der ganze heutige Zustanddes Rhcinlandcs, dessen seine Bewohner froh und stolz sind,wurzelt im Staate. Durch die Staatsmacht ist das Grundeigcn-thum, welches früher fast ausschließlich in den Händen des Adels