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Auch in Deutschland hat es an Vorschlägen und Versuchen hierüber nicht gefehlt, und namentlichhaben seiner Zeit der künigl. baierische Oberbergrath von Baader in seinem neuen System der fortschaf-fenden Mechanik, so wie mehrere andere deutsche Techniker sich sehr umfassend damit beschäftiget.
Es wurden selbstwirkende schiefe Flächen; Compensations-Apparate, Wasserkraft, comprimirte Luft,bewegliche Bergwinden, Pferdekraft, endlose Ketten und Taue auf Rollen wie in England und Frankreich ,Riesenkrahne, Aufzugsmaschinen, ja sogar Schleusen, an welchen Gewichte den Hebemoment verrichten,vorgeschlagen, und viele andere Varianten sind hierbei an den Tag gekommen. Allein, je mehr mandarüber künstelte und den Leistungen der fortschaffenden Mechanik Uebermässiges zumuthete, dabei aber oftdie unveränderlich bleibenden physischen Gesetze der Schwere träger Körper in Rechnung zu nehmen ver-gass; und sich in die abstractesten Combinationen der Mechanik verirrte; desto mehr entfernte man sichvon dem zu erstrebenden Ziele; und obschon nicht zu verkennen ist, dass in einzelnen Fällen und auf kur-zen Strecken Manches hiervon mit Nutzen angewendet werden könnte, so ist die Ausführbarkeit auf längereStrecken und für bedeutendere Höhen sehr zweifelhaft.
Der königl. preuss. geh. Oberbaurath C r eile hat auch zu verschiedenen Malen seine Aufmerksam-keit der Lösung dieser Frage gewidmet und eine Reihe Beobachtungen hierüber mit aller wiinschenswerthenGründlichkeit veröffentlicht. Er hat das Nachtheilige der geneigten Flächen mit feststehenden Dampfmaschinen,als bewegende Kraft, auseinander gesetzt und fest erwiesen. Er will den Tunnels, sowohl wegen der grossenKosten und der Schwierigkeit ihrer Ausführung, als auch wegen der vermeintlichen Gefahr für die Perso-nen beim Durchgänge, möglichst ausgewichen wissen, und erklärt sie, wenn die Wasserscheiden einebedeutende Breite haben, als gar nicht ausführbar. Er hält die Erzielung geringer, für Eisenbahnen mitDampfwagen als bewegende Kraft tauglicher Gefälle in den Bergen geradezu für unmöglich. Zwargibt er zu, dass die Anhöhen wie mit den Kunststrassen, auch mit Eisenbahnen umgangen werdenkönnten — doch sieht er in diesem Mittel weit grössere Schwierigkeiten für die letztem als für dieerstem , indem diese selbst oft gekrümmt werden müssen, und eben die Krümmungen den Eisenbahnenbei AVeitem nachtheiliger, als den Kunststrassen seien, welchen er daher zur Uebersteigung höher gele-gener Wasserscheiden den Vorzug vor den Eisenbahnen einräumt; wobei er aber ganz treffend andeutet,dass es gut seyn dürfte, auch bei diesem Gegenstände auf die allgemeinen Naturgesetze, welche keine Kunstzu ändern vermag, zurückzugehen.
Die Nordamerikaner wollten von allen den aufgezählten Hilfsmitteln wenig wissen, und glaubten,durch Verstärkung der Locomotiv-Maschinen fast jede Anhöhe , sogar die mit einer Steigung von 1:14 jaselbst von 1:6 mit lohnendem Nutzefifect übersteigen zu können, was natürlich nicht gelungen ist; undsomit bilden die Anhöhen und AVasserscheiden, nach wie vor, das Haupthiiulerniss gegen die umfassendereEntwicklung der Eisenbahnen.
Die geneigten Flächen mit feststehenden Dampfmaschinen aber werden, der hier aufgezählten und nochvieler anderer Vorrichtungen ungeachtet, immer noch als das beste bisher bekannte Mittel zur Ueberstei-gung kleiner Anhöhen angewendet — an bedeutendere Anhöhen hat man sich bisher nicht gew T agt.
Obschon in den Bergen geboren und seit dem Beginne meiner Laufbahn als Ingenieur daran gewöhnt,dem Verkehr über die höchsten Berge mit Bekämpfung mancher Terrainschwierigkeit neue AVege zu bah-nen, zweifelteich selbst nach meiner Rückkehr aus Frankreich, England und Belgien, obein fortgesetz-tes Eisenbahnsystem über die AA asserscheiden je verwirklicht werden könnte, und habe hierüber meine Mei-nung bereits im Jahre 1838 in einer bei Beyel in Frauenfeld erschienenen Broclnire niedergelegt, inwelcher ich, auf die gemachten AA ahrnehmungen gestützt, den Eisenbahnbau in Gebirgsländern zwar an-wendbar, jaden Hauptflüssen entlang sogar leichter ausführbar fand, als in manchen, durch niedere Hö-henzüge coupirten Flachländern. Den Fuss der Alpen und Wasserscheiden hielt ich aber für deren möglichstweit vorgeschobenen Endpunkt; weil von allen zur Uebersteigung der Anhöhen bisher bekannten Mitteln,zumal für namhaftere Höhen, als jene sind, wo ich solche angew endet fand, mir keines als zureichend einleuch-ten wollte. Hiernächst schlug ich damals zur Uebersteigung der AVasserscheiden eine verbesserte Einrich-tung der bestehenden Fuhrwerke, welche von einem Fusse der Wasserscheide bis zum andern gehen sollten,