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Friedrich Leutholfs von Franckenberg Europäischer Herold, Oder Zuverläßige Beschreibung Derer Europäisch-Christlichen Käyserthums, Königreiche, freyer Staaten und Fürstenthümer; Nach ihren Natürlich- und Politischem Zustande, Kriegs- und Friedens- Religions- und weltlichen Verfaßungen : Biß auf dieses 1705 Heil-Jahr
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101
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vom heil. Römischen Reich.

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heit ein weltlich Haupt erkieset worden / nichtaus der wahl-stadt reisen. Allein/gleichwiewichtiger Ursachen halber diese zeit proioZiretzu werden pflegt/ inmaffen A. I6s8 bey derwähl der itzigenRöm. Kayserl. Majest. gesche-ben; also ist nicht zu glauben / daß das letzterescharffe gefetz beobachtet werde/ man woltedann schertz- weise oder sonst den wein zu st-tempenren wasser zugiessen; denn wer wol-le oder könte doch einen Churfürsten/oder dessenbotsthaffter in sothaneenge itzigerzeitcinschlies-sen /und zudiesem cractamcnt nöthigen/ beson-ders zu der zeit/da die Reichs-hof-justitz geschlos-sen/ und das kammer-gerichte durch die Vi-carien clinZiret wird/ wer wolte die execmionthun/ und worauf?

Es wird aber erfordert/ daß solches Ober-haupt nicht weiblichen sondern männlichen ge-schiechtes sey. Es ist ein exempel sonderexempe!/ daß A. 1056 Kayser Henrich M in sei-nem testament verordnet/ daß seine GemahlindieKayserin Agnes/ eine tochter des Hertzogszu ?oitlers, seines Pritttzen König Henrichs IVvormünderin seyn sollen / und daß des heiligenReichs Stände dieser vormünderin die aämi-Motion des Reichs überlassen und ihr ge-horsam erzeiget haben. Zwar ist es durchkein Reichs - gesetze lleterminiret/ wesstan-des der Candidat des Kayserlichen thronsseyn solle: Es lehret aber doch die erfahrung/daß bißhero keiner zu dieser allerhöchsten wür-de gelanget/ er sey denn zum wenigsten ausGräflichem geschlecht entsprossen. Allermaßenman das gegentheil in dem Rom. Reichenie-mahls erfahren/ dergleichen aber in dem Grie-chischen Kayftrthum mit der Kayserin Irenegeschehen: nemlich daß sie als ein frauenzimmerCron und zepter getragen / und zu denen zei«ten Veralten Römischen Kayser sind öfftersleute von geringer ankunfft zum höchsten thronempor gestiegen. Daß hiernechst sothaneKayftrliche würde niemand als ein Teutschertragen könne/solches soll/einiger publikenvorgeben nach/ein von Kayftr Ottone i^i gege-benes fundamental-gesetze bekräfftigen/ wel-ches aber noch niemals zum Vorschein kommen.Jedoch daß die Kayserliche wähl allein auff dieTeutsche Nation/entweder vermöge eines ge-schriebenen oder ungeschriebenen gesetzes/durchwelches letztere die hergebrachte gewonheit ver-standen wird/zu verstehen seye/solches bezeugendie stimmen dcrChursürsten bey dem wahl-actuKayser Carl des V. Denn als die frage vorfiel:Ob iehtgedachtem Catolo/ als Könige in Spa-nien/ oder aber Francisco l, Könige in Franck-reich/ die Kayserliche Dignität zu cantönrenseye/ so redete der Churfürst zu Maintz folgen-der maßen: Mas den Franyosen anlan-get/ halte ich davor/ daß wir durch un-sere gcseye und vermittelst eydes hieranverhindert werden als wodurch verord-net ist/ daß diese Reichs.würde mcht aufdie ausländer gebracht werde. Ob nunwohl dieftn: der Churfürst zu Trier damahlswidersprach und König Franciscum zu erweh-«len riech; so schloß er doch sein Votum mitfolgenden Worten: 'Ich halte aber davor/es seye die Ursache und das fundament sol-ches geseyes diese/ damit nicht/ wenn em

ausländischer und welcher seincn bestän-digen^ inTeutschland nicht hat/ erweh-let wurde/ diese Aeichs - Dignität nachund nach auff die auswärtige n gcbrachowerde. NX'nn nun der verstand undMeinung solches geseyes dieser ist/ so kaneben so wenig ein Spanier/ alsein ^ran-yose erwchlec werden. Angleichen schloßChurfürst Friedrich zu Sachsen König Fran-ciscum/ wegen solches wider die ausländerabgefasseten gesttzes/von der wähl aus/ dessenMeinung auch die übrigen Churfürsten billig-ten. Woraus erhellet / daß sich das gesamteChurfürstl. Collegium / oder doch das meistetheil desselben auff ein gewisses fundamental-gefttz müsse gegründet haben/ unerachtetmannicht eigentlich sagen kan/ wenn und von wemselbiges gegeben worden. Es ist aber genug/daß ratio 8t3tu5 im heiligen Reiche nicht leide/daß man sich einem fremden Herrn unterwerf-fe/ gleich als wenn es in Teutschlands Chur-und Fürsten fehlete / welche die KayserlicheCrone zu tragen geschickt wären/ und da nunder erwchlte Kayser ausTeutschemgeblüte ent-sprossen/ so ist es eben nicht nöthig/daß er auchin Teutschland gebohrea worden/ es könte des-sen geburt auff der see/ in einer Insul / ittfremden landen geschehen seyn/ so wird es we-nig hindern. Dergleichen exempel Kay-ser Friedericus n, Carolas V, und Ferdinan-dus l vorstellen. Es wird auch dasjenige/was dieses reguillti wegen anietzo crzehlet wor-den/ dadurch nicht umgestoßen / daß Richar-dus/ König in Engelland/ und Alphonsus/Kö-nig in Castilien- zur Kayserlichen wähl gelan-get/ angesehen solches nichts anders/ als demdamahligen verwirreten zustande und den ge-fährlichen Haltungen / welche wenig absehenauf die gesetze gehabt / zuzuschreiben ist. Sowill auch vorangezogene güldene bulle haben/daß es ein weltliches Haupt sey; dahers diefrage/ob die Kayserliche undPabstliche würdeauf einerlei) person zugleich ruhen komie/ bulichverneinet wird: Denn ob wohl Pabst Lom-fzcms Vili beydes den Kayserlichen und Päbst-lichen Habit angelegt/ und sich den erstenPfingst-tag als ein Pabst/ den andern aberals ein Kayser pl-Tlcntirer / über dieses auchKayser Maximilianus i den Päbstlichmstuhl zu besteigen verlanget haben soll: Soliefet man doch nicht/ daß jeneriemahls zumKayftr/ dieftr aber zum Pabst erwehlet wor-den ftye/beede ÜNMassuNgM sind cbimericzues.Sodann sollen die Churfürsten auff eine msgendhaffte/ gerechte/ ansehnliche und nützli-che person und derselben vermögen / wie nichtweniger auf ein rechtmäßiges alter sehen. Wieviele jähre aber hierzu erfordert werden/ solchesist in den Reichs-gefttzen nirgends auegedru-cket. Gestalt denn die Kayser Otto u im 4»I^Lnricus lll UN IllLnncus IV im s, drillen»cu8 II lM t6, Oarolus V im 19 , UNd soiepbuz im 12

jähre theils zur Kayserlichen / theils zur Rom.Königl. Crone gelanget. Sonsten ist merck-würdig / daß Spangenberg in Lllron. 8ax. cap.247UNV ll.tZeiF.p.l N.60 erzehlen/ wasMassen die Reichs - Stände Kayftr Frieder!«chen Ii angemuthet/seine ehrliche gebun zu be-scheinigen/ welches er auch auf dem zu Mcrß-N z bürg