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Friedrich Leutholfs von Franckenberg Europäischer Herold, Oder Zuverläßige Beschreibung Derer Europäisch-Christlichen Käyserthums, Königreiche, freyer Staaten und Fürstenthümer; Nach ihren Natürlich- und Politischem Zustande, Kriegs- und Friedens- Religions- und weltlichen Verfaßungen : Biß auf dieses 1705 Heil-Jahr
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vom heil. Römischen Reich.

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benden arsenic oder gifftmehle/spieß-glaßundandern berg-arten/ auch com^olitis, als Mes-sing/ printz - metall:e. diesem Reiche zuvorthun solle. Absonderlich aber ist das aus ei-sen und zinn verfertigte schöne blech in gantzEuropa berühmt/dahero es häuffig verführetwird.

Außwendtg tragt es allerhand edle früchte/insonderheit aber weine/ unter welchen diefürtrefflichsten sind / der Rheinische/ Mose-ler/ Necker/Oesterreicher/ Tyroler und Fran-cken-weit?/ die ihrer dauerhafftigkeit halber esallen fremden weinen bevor thun; die gering-sten sind/ der Bayerische/ und der so in Nord-landern wachset. Hergegen wird in diesenmitternächtigen gegenden der Mangel durchdie fürtreffliche/gesunde und Wohlgeschmack-te NaumbuMr/Zerbster/ Braun schweiger/»Rostocker / Wurtzner/ Torgauer/ Garleber/brühhan/keiderlmA/ tucksteiner und anderezumahl Nieder-Sachsische biere ersitzet. Fer-ner findet sich in Teutschland eine große men-ge an getreyde/ welches allhier so überflüßigwachsit/daß auch die anbenachbane lander da-von gespeiset werden können.Uud ist gar merck-würdig/ daß / als A. C. 1591 m Italien/ undsonderlich zu Rom/ eine schwere theurung ein-gefallen/und die kauffleute aus Holland/Holl-stein/ und den sie-stadten viel mit korn bela-dene schiffe dahin brachten/der Pabst den cur-rier/welcher die ankunfft der Teutschen kauff-leute zu erst uottliciret/ mit 1000 ducaten be-schencket habe. Obst/ saltz/ gewürtze und Herr'liche artzneyen/ zugeschweigen des köstlichensaffrans in Oesterreich/ des Weyrauchs undMyrrhen in Mahren/ des süffen holtzes inFran-cken/ des nutzbaren farbe-krauts des weids undsasior/anis und fenchel in Thüringen und der-gleichen gutthaten der natur.

Diewaffer-flüsse und sien geben viel köstli-che edel-und andere/ als corallen und agtstei-ne/ perlen und gold - grieß. Also führet derRhein seinen gold - grieß an folgenden örtern:bey Kühr in Rhätien/ bey Meinfeld/beyEglinsam/bey Seckingen / bey Äugst/ unweitBasil/ bey Neuburg/ bey Setz / bey Worms/bey Mayntz/bey Bacharach/ bey^Bonn.Man zehlet allein 21 örter Chur-Psältzischengebiets/ welche gegoldtt sind. Die Elbe zei-get iezuweilen gold und perlen/ dergleichen beyLeutmmitz/Pirne / Dreßden/ Torgau/Mag-deburg und Lauenburg. Die Jltz bey Pas-sau/ die Schwache in Thüringen/ und dieMulda geben auch edele steine. Uber diesesfindet sich eine große menge / und theils ortenÜberfluß an wohlgeschmackten guten fischen/darunter die sorellen/schmerlen/stöhre/ lach-se/hechte/ weise / absonderlich an der seekanre/und in der Marek/ worunter die hochgehalte-nen muranen in Pommern und Schlesien.Nicht minder gesunde kräuter / schöne stein-brüche/als von alabaster/ marmor/ jaspis/porphyr/ sirpmin und anderen stattlichensteinen/ werden hin und wieder gefunden.

Die selber und wälder sind voll des schön-sten und besten weidwercks und wildpräts.Auch wäre an den meisten orten kein abgangan holtz zu besorgen/falls nur hiermit wohl undpfleglich umgegangen würde/ und ist solches

theils zu den mast-bäumen bequem/ deren eineziemliche anzahl in Holland kommet. An zah-men und heerd-vieh ist auch kein mangel/ undsind insonderheit die Oldenburgische pferde/ dieWestphälisch - und Bayerische schweine/ dieSchweitzer-kühe / u. a. m. beruffen. Abson-derlich aber seynd die Teutschen Pferde zumkriege ihrer dauerhaffrigkeit und stärcke wegensehr wohl zu gebrauchen/ und würde die Fran-tzöische cavallerie offtermals in schlechtem stän-de seyn/wenn sie sich nicht dieser stattlichenrosse zu ihrem vortheil bedienete. An vomef-licher und zarter wolle und leinen fehlet esTeutschland auch so wenig / daß selbige viel-mehr hauffig theils rohe/ theils gesponnen/ausserhalb landes verhandelt wird. Nurwäre zu wünschen/ daß die wimus-zAuren bes-ser etabliret/und der nutzen/welchen die aus-länder genießen/den einwohnern- selbsten ge-gönnet würde. Der leinwad-handel floriretauch sonderlich in der Ober-Lausitz/Schlesienund Meissen/und werden sonderlich dje segel-und beute! - tücher allda bereitet. Auch überdieses hat es viel schöner gesunder sauer - undheil-brunnen / wie auch viel metallische-der/ unter denen sehr belobt siyn das Döpli-tzische und Carls- bad/ wie auch der sauer-bruw»nen zu Eger in Böhmen / zu Köppingen imWürtenberger lande/ der Schwalbachischein Hessm/ Baden in Oesterreich und Schweitz/Emsirbad/ Witdbad/ Zellerbad/Blasiusbad/deren/ nach erfahrner lmte erzehlung / mehrals 1000 in Teutschland gefunden werden.

Es ist auch die Teutsche glüßmacherey be-rühmt/ vermöge welcher so große spiege! ver-fertiget werden / als man immermehx zu Paßris und Venedig zeigen kam

Darneben ist Teutschland voll von schönemlandschafften/ städten/ flecken und dörffern/ hatan allen zur leides-nothourfft gehörigen undbrauchbaren dingen einen überfluß/und kan fei-nes reichthums wegen gleichsam allein eine klei-ne Welt reprXlentireN.

Es ist das Teutsche Reich auch gar volck-Volckkeichreich/weiln diese Nation eine besondere be-gierde und wollust zu fortpflantzung des-menschlichen geschlechts träget. Und ist nichtohne grund dafür geachtet worden/ daß ohnemerckung einigen abgangs 200000 soldatenallhier geworben werden könten ; wie dannauch für gewiß gesaget wird/ daß der Kayseeallein in seinen erb - ländern 100020 reuter /und so viel fuß-knechte/zu wege bringen könne/und bedienen sich der Teutschen milch alle aus-wärtige Potentaten.

Die theilung des heil. Rom. Reichs anlan-Me Mhchgend/so ist selbiges/in bewacht/und wegen der umg des.demselben unterhörigen Provintzien/ inzwey^

Haupt - Reiche weiland abgctheilet worden/nemlich in das Germanische und Italienische.Das Germanische sonderte man hinwieder indrey Reiche/als das Teutsche / Wällische undWindische. Hernach in die zwey hohe Pfal-lentzen/Sachsen und Schwaben. Zu dieser/welche in den geschichtcn auch dieFränckifthegenennet wird / wurden über die obern Teut-schen lande auch die Wällische/dm. GaulischeStände im Niederlande/ Lotharingen/ Bur-gund und dem Akratischen Königreiche gezo-gen.