Druckschrift 
1 (1909) Die Immatrikulationen vom Wintersemester 1559 bis zum Sommersemester 1634
Entstehung
Seite
LXII
Einzelbild herunterladen
 

Wollen wir die Frequenz der Hochschule in den einzelnen Semestern nach der Zahl der inLeipzig anwesenden Studirenden berechnen, so dürfen, wie wir sahen, allein die Zahlen der Ver-eidigten zu Grunde gelegt werden. Welche Schwierigkeiten dieser Aufgabe im Wege stehen, da nurdie Zeit der Immatrikulation, nicht aber die des Weggangs von der Universität feststeht, ferner eineAnzahl von Studirenden auch nach Erwerb der akademischen Würde an der Universität blieb, umin der philosophischen Facultät als Lehrer aufzutreten oder in einer höheren Facultät weiter zustudiren, endlich auch unter den Inscribirten sich auch solche befanden, die sich als Beamte oderLehrer der Universität inscribiren lassen mußten, oder solche, denen es nur um die Privilegien zuthun war, liegt auf der Hand. Jedenfalls wird auch von der Zahl der Vereidigten noch ein, wennauch geringer Procentsatz abzuziehen sein. Da andernseits sich unter den Studirenden auch solchebefanden, die wegen ihres Alters noch nicht zum Eide zugelassen wurden und bei manchem der nach-trägliche Vereidigungsvermerk vergessen worden ist, so compensirt sich vielleicht der Fehler, der beider Berechnung der Zahl auf Grund der Liste der Iurati entsteht.

Auch muß darauf hingewiesen werden, daß die später Vereidigten nicht zu dem Semestergesetzt worden sind, in dem sie den Eid abgelegt und zum größten Theile ihre Studien begonnenhaben, sondern in dem Semester mitgezählt werden mußten, in dem sie als Iniurati in die Matrikeleingetragen wurden. Die nachträglich Vereidigten sind also zu den um 120 Jahren früher Ver-eidigten hinzugezählt worden.

Nimmt man nun mit Eulenburg 1 ) für das 15. bis 17. Jahrhundert den vor allem auf Grundeiner Heidelberger Präsenzliste berechneten durchschnittlichen Aufenthalt an der Universität zu1,8 Jahren an, so ergeben sich folgende Präsenzziffern:

Ende des S. 1561 waren anwesend 595 Studenten

51

59

55

1571

11

11

801

51

95

11

19

1581

55

51

497

19

59

19

55

1591

19

99

688

91

15

15

99

1601

55

95

762

59

91

55

15

1611

19

91

803

95

55

51

59

1621

15

95

625

55

55

51

59

1631

55

51

444

55

15

11

19

1633

55

19

231

55

15

55

11

1634

51

15

210

51

Handelt es sich dabei immer nur um eine unsichere Veranschlagung, so dürften doch diegefundenen Präsenzzahlen von der Wahrheit nicht erheblich abweichen. Jedenfalls stimmen dieZahlen mit den geschichtlichen Ereignissen überein, die die Frequenz in gutem oder bösem Sinne zubeeinflussen vermochten. Würden wir die Präsenzziffer nach der Menge aller der Eingetragenenberechnen, so kämen wir zu dem verwunderlichen Ergebnis, daß sich die Hochschule gerade in denWirren des dreißigjährigen Krieges einer ungewöhnlich hohen Frequenz erfreut hätte, ein Ergebnis,das allem, was wir über die Folgen des Krieges auf den Besuch der Leipziger Universität in jenerZeit wissen, widerspricht.

*) Ueber die Frequenz der deutschen Universitäten a. a. 0. 487491 und Die Frequenz der deutschenUniversitäten a. a. 0. 29 ff.