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irgend welchem andern Grunde für wünsclienswcrth hielten, ihren Namen in die Matrikel eintragcnzu lassen. Wollen wir also die Zahl der wirklichen Hörer berechnen, so wird von den in der Matrikelverzeichueten Angehörigen der Universität immer ein erheblicher Procentsatz abzurechnen sein. Wiegroß er aber war, ist an den einzelnen Universitäten schwankend, ja zu verschiedenen Zeiten ver-schieden gewesen und läßt sich bei der Dürftigkeit der Mittheilungen, die die Matrikeln über die In-titulirten machen, nicht mit annähernder Sicherheit angehen. Ich habe mich daher in der Einleitungzur älteren Matrikel darauf beschränkt, für die Zeit von 1409—1559 das Anwachsen und Fallen derFrequenz der Universität Leipzig wie der norddeutschen Universitäten nach den Inscriptionszilfernzu messen, indem ich von der Voraussetzung ausging, daß das Verhältnis zwischen der Zahl der Uni-versitätsverwandten im Allgemeinen wie der Hörer im Besonderen an allen Universitäten und zuallen Zeiten ungefähr dasselbe geblieben sei und die Anzahl der Intitulationen einen, wenn auchkeineswegs sicheren Schluß auf die Frequenz zuließe.
Mit dem W. 1561 gelangen wir in Leipzig insofern auf eine für die Frequenzstatistik zu-verlässigere Grundlage, als seitdem in den Eintragungen die Non Iurati von den Iurati regelmäßigerunterschieden werden und der Rector hei den Non Iurati, wenn sie nachträglich sich vereidigen ließen,dies mit einigen Ausnahmen ausdrücklich angemerkt hat.
Es wird nun die Frage zu beantworten sein, ob jetzt, wo es sich einigermaßen nach weisenläßt, wer von den Iuiurati später vereidigt worden ist, die unvereidigt gebliebenen Intitulirten alsHörer für die Frequenz in Anrechnung zu bringen sind. Gersdorf 1 ) war der Ansicht, daß die NonIurati, die nachmals nicht vereidigt wurden, als Studirende nicht zu zählen seien. Er nimmt an, daßsie als Kinder daheim im elterlichen Hause lebten, oder wenn sie einer Leipziger Familie angehörten,wohl den Unterricht an einer Schule oder durch Privatlehrer, nicht aber den Unterricht der Universitätgenossen. Anderer Meinung ist Eulenburg. 2 ) Er giebt zwar zu, daß sich unter den Non Iurati eineMenge von Kindern befanden, die von ihren Eltern nur vorübergehend zur Universität gebracht wurden,um inscribirt zu werden, und ist mit Gersdorf der Ansicht, daß es sich bei dieser vorzeitigen Inscriptiondarum handelte, frühzeitig an dem Knaben die Deposition vornehmen zu lassen, deren Cerimonien sichmit Rücksicht auf das jugendliche Alter milder zu gestalten pflegten, dem Jüngling aber, in vollemUmfange angewandt, schon lästig fielen, doch hält er es für ganz falsch, die Niclitvereidigten in ihrerGesammtheit überhaupt von den Immatrikulirten abzuziehen. Man müsse sich vergegenwärtigen, sosagt er, daß eine völlige Scheidung zwischen Universität und Gymnasium keinesv'egs bestanden, daßtheilweise beide Anstalten unter einer Leitung gestanden hätten, und daß dann auch die Matrikeldieselbe gewesen sei. Doch auch wo sich beide Anstalten von einander geschieden hätten, sei derUnterricht auf der Universität nicht viel anders als auf der Lateinschule gewesen. Das jugendlicheAlter der Studenten habe unter diesen Umständen keinen Hinderungsgrund gebildet, die Universitätzu besuchen. Wenn die Vorkenntnisse zur Theilnahme an den Disputationen und Deklamationen nichtausgereicht hätten, dann habe man Unterricht bei den Magistern oder in den Bursen genommen.
Ich kann mich Eulenburgs Ansicht hinsichtlich der Zugehörigkeit der Non Iurati zu denStudirenden für die Zeit seit dem Ende des 16. Jahrhunderts nicht anschließen. An vielenOrten schieden sich die Universitäten scharf von den Latein- oder Trivialschulen und war es Sitte,sich wohl bei der Universität immatrikuliren zu lassen, sie aber dann erst aufzusuchen, wenn man zuJahren gekommen war und den durchweg in lateinischer Sprache gehaltenen akademischen Vor-lesungen zu folgen vermochte. Nach dieser Seite giebt die Königsberger Universitätsmatrikel 3 ),
1 ) Beitrag zur Geschichte der Universität Leipzig (Leipzig 1869) 110.
2 ) Ueber die Frequenz der deutschen Universitäten in früherer Zeit in den Jahrb. für Nationalökonomie u.Statistik N. F. Bd. XIII (Jena 1897) Seite 481 ff. und die Frequenz der deutschen Universitäten in den Abhandl. derK. Sächs. Gesellsch. der Wissenschaften Phil.-Histor. Klasse Bd. XXIV Heft 2 (Leipzig 1904) namentl. v. S. 25 an.
s ) Herausgegeben von Erler in den Publikationen des Vereins für die Geschichte von Ost- und West-preußen. Bd. I., Leipzig 1909.