XXXVIII
Dei' trübe Ton des Disticlions erklärt sich durch den Zusatz, den der Decan in der Einleitungmacht. Er weist auf die 71 Jahre hin, die er zählte.
W. 1659 Decan Johann Adam Scherzer. In der Einleitung zählt der Decan die Mit-glieder der philosophischen Facultät auf und erwähnt dabei den Tod des Johannes Preibisius. Erschließt mit dem Wunsche: „Deus ter optimus , maximus quam diutissime salvos \ et incolumes praestetsingulos Communitatis colle | gas per Christum Dominum nostrum \ Amen .“
Die nächsten Eintragungen bis zum Schlüsse des Bandes entbehren der Bildwerke undzeichnen sich lediglich durch schöne Schrift aus.
Der folgende Band der philosophischen Matrikel enthält die Promotionen der Jahre 1671bis 1718. Der im Archiv der Facultät aufbewahrte Band ist in Holzdeckel, die mit reich gepreßtemPergament überzogen sind, gebunden, 36 cm. hoch, 24 cm. breit und mit Metallecken und Metall-schließen versehen. Auf dem Vorderdeckel, in der Mitte eingepreßt, das Bild Kaiser Maximiliansmit Scepter und Reichsapfel, gepanzert, die Krone auf dem Haupte. Links oben das Wappen desReiches, rechts das Spaniens, darunter liest man: „ Maximilianus II. D. G. Rom. Imp. Sem. Augus.Germa. Hunga. Boh. etc. Rex Archid. Austri. Dux etc.“ Ueber dem Bilde: „Matriculaphilosophiae 11 ,darunter 1678. Die Handschrift ist also einige Jahre später, nachdem sie in Benutzung genommenworden war, eingebunden worden. Auf der Rückseite des Hinterdeckels findet sich eingepreßt eineDarstellung des Salomonischen Urtheils mit der Unterschrift: „Ingenium prudens poscit. Litesresolvit femineas, pojmlus pectora docta timet I.Reg. Der Rücken der Handschrift trägt ein rothesSchild, worauf in Goldschrift der Titel „ Medricula | /ac. pkil. vol. \ V. ab Anno 1671 — 1718 u \gedruckt ist, und die neue Signatur B 5 . Dem Text gehen in der Handschrift vier Papierblätter undein Pergamentblatt voraus. Auf der Rückseite des Deckels und dem ersten Papierblatt ist eingetragenworden: „Series decanorum in hac Medricula “, beginnend mit L. Valentin. Alberti P. P. secundavice Anno 1671, endend mit Job. Schmidt septima 1717. Die Namen sind von wechselndenHänden eingeschrieben worden, derart, daß einzelne Decane ihren Namen und die ihrer Vor-gänger, die den Eintrag vergessen hatten, einzeichneten. Hinter jedem Namen ist die Nummer derSeite vermerkt, mit der die Eintragung des Semesters beginnt. Die Handschrift zählt weiter169 Pergamentblätter von 34 cm. Höhe und 22 cm. Breite, die nach Seiten bis 256 numerirtworden sind. Später hat man nur die erste Seite jeder Decanatseintragung mit einer Zahl versehen.
Die Eintragungen sind sämmtlich in kunstvoller Schrift gehalten, bald in Antiqua, bald inFractur. Die Namen der Executoren, Clavigeri und Examinatoren erscheinen vielfach in großenBuchstaben geschrieben. Die farbigen Einträge verschwinden. Meist bedient man sich derschwarzen Schrift, die aber in den Einleitungen des öfteren an den Contouren mit goldener Farbenachgezogen ist.
Wie in der Rectormatrikel, so geht also auch in der philosophischen Matrikel gegen Aus-gang des 17. Jahrhunderts die Neigung zu künstlerischer Ausschmückung verloren. Ausnahms-weise finden wir zum W. 1691 das Bild des Decans Valentin Alberti. Kupferstich auf Pergament,umgeben von einem schwarzen, gold verzierten Barockrahmen. Die Umschrift um das Bild lautet:„D. Valentinus Alberti P. P. Consistor ialis, alumn. elector cd. ephorus et decemvir in academ. Lips.anno aetatis LVI.“ Alberti ist dargestellt in geistlichem Gewand, mit Perrücke, den Kopf leichtzur Seite geneigt, die rechte Hand zur Brust erhoben. Unter dem Bilde die Distichen:
„ Pingitur Albertus pictorque satisfacit arti,
Vivida si tantum gratia frontis adest.
Nempe sciunt animi, quos cepit gratia, talemIntegrius pingi non potui se virum.“