Druckschrift 
Geschichte der Familie Wintgens von Wintgenshof zu Duissern bei Duisburg : im Auftrage Julius und Ludwig Wintgens
Entstehung
Seite
123
Einzelbild herunterladen
 

das beweist eine herrliche Trostschrifh die Kastor Nlohn ans Dnisbnrg an ihn richtetevon der wir einen Teil hier folgen lassen, weil sich in den Korten des Richters auchder Änn nnd die gan^e geistige Richtung in dein befreundeten ^anse sti erkennen gibt.

An Herrn Florens Wintgens.

Freund!

Wunderbar erscheint uns Gottes AatAnd labyrintisch oft der hdfad,

Den seine Hand uns durch das Leben leitet.So lang uns Glück nnd Freude treu begleitet,Dünkt Gottes Tun uns klar nnd Welt nnd LebenWir blicken froh hinaufzu den azurnen Höh'», -Ans welchen Licht und Glanz sich über uns ver-bind preisen den, der über Sternen thront ^ breitet,And auch ans unserm Stern gern segnet nnd belohnt.Doch wann der Schmerz, den unser Wesen hasset,Uns rauh mit Aiesenhand erfassetAnd unsre Brust mit bangem Harm erfüllt,Dann dünket uns der Weg des Herrn verhüllt;Das Antlitz der Natur scheint uns nicht mehr zu

Ans kühlet nicht des Zephyrs lindes Fächeln,

Der mit den Blümlein spielt, diean des sdsades Band

Sich lieblich noch in seinem Hauche schaukeln;

Gs ist umsonst, daß Freuden uns umgaukeln,

Wir lassen sie nicht nah'w Sie fliehn, von eigner

Verscheuchet und hinweggebannt ^ jHand

Verödet scheint uns unser Alutterland;

Wir haben unfern Schmerz und Ruinmer liebge-

verschwundencs Glück, fwonnen.

Ans Fäden der Vergänglichkeit gesponnen

And gleich geperltem Schaum zerronnen,

Rehrt unaufhörlich vor den Geisterblick zurück.

Und doch! umsonst sind unsre Tränen,

Vergeblich ist des Herzens banges lehnen,

Vichts fruchtet der bewölkte Sinn!

Denn hin ist hin.

Da jammern wir und klagen

Zum Himmel weinend aus und fragen -

Warum ist mein Glysium,

Der Anschuld und der Liebe heilig,

So bald, so eilig

Dahingeblüht?

Warum die Bonne

Des Glückes und der Wonne

So schnell verglüht?

And dennoch offenbart durch Nehmen wie durchGott gleiche Liebe, gleiche Huld! Geben

And tragen wir mit harrender GeduldDas Mißgeschick im Grdenleben,

So wird uns über das Warum?

- Bleibt gleich die Gegenwart auf diese Frage stummDie Zukunft einst genügend Antwort geben,Und unser Geist wird Gott im HeiligtumDes Glaubens tief gerührt erheben.

Geliebter Freund, Dich hat ein harter SchlagAnd bald darauf der Härtere getroffen;

Vergebens war Dein Flehen, Sehnen, HoffeinZm Rumpfe mit den: Stärkeren erlagDer Jüngling, reich an frommer Herzensgüte,

Dein Gustav in des Lebens Blüte.

So welkt, vom Flammenstrahl versehrt,

Die Blume, kaum entfaltet, wieder,

And sterbend sinkt ihr Haupt zur Grde nieder.Gr ging voran, und ach! Tornelia,

Das holde, sanfte Weib, so zärtlich, treu und bieder,Das Zugendliebe Dir zur Lust, zum Stolz ersah,An welcher Du mit ganzer Seele hingest,

Von welcher Du stets Lieb um Lieb empfingest,Wie bald ist sie dem Sohne nachgeeilt!

Wo war' ein Freund, der Deinen Schmerz nicht teilt,And dessen Auge nicht auf Dir mit Wehmut weilt?Za! mein Freund! die heimgegangnen Guten,Die liebend Dir noch jüngst am Herzen ruhten,

Sind wahrlich Deiner Tränen wert.

Der kennt noch nicht den brennendsten der Schmerzen,Der kennt das reine Gold getreuer, edler HerzenFürwahr »och nicht, der Deinen Schmerz nicht ehrt!

t2Z