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2 (1900) Zeitgedichte [u.a.] Neue Gedichte
Entstehung
Seite
149
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Alls dem Nachlaß,

Wem gcb' ich meine Religion,

Den Glauben an Vater, Geist und Sohn?Der Kaiser von China, der Rabbi von Posen,Sie sollen beide darum losen.

Den deutschen Freiheits- und Gleichheitstranm,Die Seifenblasen vom besten Schaum,

Vermach' ich dem Censvr der Stadt Krähwinkel;Nahrhafter freilich ist Pumpernickel.

Die Thaten, die ich noch nicht gethan,Den ganzen Baterlandsrettungsplan,

Nebst einem Rezept gegen Katzenjammer,Vermach' ich den Helden der badischcn Kammer.

Und eine Schlafmütz, weiß wie Kreid',Vermach' ich dem Vetter, der zur ZeitFür die Hcidschnuckcnrcchte so kühn geredet;

Jetzt schweigt er wie ein echter Römer.

Und ich vermache dem SittenwartUnd Glanbensvogt zu StuttcgardEin paar Pistolen, (doch nicht geladen,)

Kann seiner Frau damit Furcht einjagen.

Ein treues Abbild von meinem StßVermach' ich der schwäbischen Schule; ich weiß,Ihr wolltet mein Gesicht nicht haben,

Nun könnt ihr am Gegenteil euch laben.

Zwölf Krüge Seidlitzer Wasser vermach'Ich dem edlen Dichtcrgemüt, das, ach!

Seit Jahren leidet an Sangesverstopfnng;Ihn tröstete Liebe, Glaube und Hoffnung.

Und dieses ist ein Kodizill:

Für den Fall, daß keiner annehmen willDie erwähnten Legate, so sollen sie alleDer römisch-katholischen Kirche verfallen.