76 Nomancero — Letzte Gedichte,
Brutus, wo ist dem CnssiuS?
Er denkt nicht mehr ans Morden!
Es heißt, er sei am NeckarflußThrannenvorleser geworden.
Doch Brutus erwidert: „Du bist ein Thor,Kurzsichtig wie alle Poeten —
Mein Kassius liest dem Tyrannen vor,
Jedoch um ihn zu töten,
„Er liest ihm Gedichte von Matzerath —Ein Dolch ist jede Zeile!
Der arme Tyrann, früh oder spätStirbt er vor Langeweile,
Drr Ex-Nachtwächter."')
Mißgelaunt, sagt man, verließ erStuttgart an dem Neckarstrand,lind zu München an der IsarWard er Schauspiel-Intendant,
Das ist eine schöne GegendEbenfalls, es schäumet hier,
Geist und Phantasie erregend,
Holder Bock, das beste Bier,
Doch der arme Intendant?,
Heißt es, gehet dort herumMelancholisch wie ein Dante,Wie Lord Byron, ^loom^, stumm.
Ihn ergötzen nicht Komödien,Nicht das schlechteste Gedicht,
Selbst die traurigsten TragödienLiest er — doch er lächelt nicht.
Manche Schöne möcht' erheiternDieses gramumflorte Herz,
Doch die Liebesblicke scheiternAn dem Panzer, der von Erz,
Nanuerl mit dem RiegelhäubchcnGirrt ihn an so muntern Sinns —„Geh inS Kloster, armes Täubchen,"Spricht er wie ein Dänenprinz,
Franz Dingelstcdt, Lieder eines kosmopolitische» Nachtwächters