Zweites Buch. Lamentationen.
Wie haben mich lieblich die Elfen umflattert!Ein luftiges Völkchen! Das plaudert und schnattert!Ein bißchen stechend ist der Blick,
Verheißend ein süßes, doch tödliches Glück.
Ergötzten mich mit Mai-Tanz und Mai-Spiel,Erzählten mir Hofgeschichten, zum BeispielDie skandalöse ChronikaDer Königin Titania.
Saß ich am Bache, so tauchten und sprangenHervor aus der Flut, mit ihrem langenSilbcrschleier und flatterndem Haar,Die Wasserbacchauten, die Nixeuschar.
Sie schlugen die Zither, sie spielten auf Geigen,Das war der famose Nixenreigen;
Die Posituren, die MelodeiWar klingende, springende Raserei.
Jedoch zu Zeiten waren sie minderTobsüchtig gelaunt die schönen Kinder;
Zu meinen Füßen lagerten sie,
Das Köpfchen gestützt auf meinem Knie.
Trällerten, trillerten welsche Romanzen,Zum Beispiel das Lied von den drei Pomeranzen,Sangen auch wohl ein LobgcdichtAuf mich und mein nobeles Menschengesicht.
Sie unterbrachen manchmal das GesingeLautlachend, und srugen bedenkliche Dinge,Zum Beispiel: „Sag uns, zu welchem BehufDer liebe Gott den Menschen schuf?
„Hat eine unsterbliche Seele ein jederVon euch? ist diese Seele von LedepOder von steifer Leinwand? WarumSind eure Leute meistens so dumm?"
Was ich zur Antwort gab, verhehleIch hier, doch meine unsterbliche Seele,
Glaubt mir's, ward nie davon verletzt,
Was eine kleine Nixe geschwätzt.
Anmutig und schalkhaft sind Nixen und Elfen;Nicht so die Erdgeister, sie dienen und helfenTreuherzig den Menschen. Ich liebte zumeistDie, welche man Wichtelmännchen heißt.
Heine's Werke. III. Bd. 5