Anhang. 2K5
16.
Herzlichen Dank, meine liebe Amalie, für Deine guten Nachrichten.Möge die Sonne, die jetzt den neuen Horizont erleuchtet, rein undfleckenlos aufgehen, mögen die Menschen endlich glücklich sein! Dies sindmeine Wünsche für sie weit mehr als für mich, dessen welke Laufbahndem Unglück nur noch gar wenig Augenblicke streitig machen kann. Ichliebe Dich, mein liebes Kind, von ganzer Seele. Friedrich.
17.
Wie betrüben mich Deine Traurigkeit und Einsamkeit, liebe Amalie;wie doppelt unglücklich bin ich, weil Du es bist. Wann werden wiruns wiedersehen? Es scheint mir, daß man, je näher die angezeigteZeit kommt, um so weniger davon spricht; ich erwarte immer eine Ver-längerung des Unglücks, kurzum alles, was es noch Schlimmeres gibt.Das ist mein Unstern und nie gab es auf Erden seinesgleichen. WünschestDu mir etwas kund zu tun, so schreibe mir heute nachmittag, denn dereinzige interessante Augenblick meines traurigen Tags ist der, wenn ichvon Dir höre. Das Mkmoire ist in den von Dir bezeichneten Händen.
Friedrich.
18.
Verzeihung, liebe Freundin meines Herzens, wenn ich Dich quäle;ich habe nur diesen Augenblick des Trostes, sonst ist alles Übrige fürmich Langeweile oder Verzweiflung. Wenn die Kommission durch dieNachbarschaft geht, so kann sie nicht zögern, hierher zu kommen. Welchein Moment ist der, wo ich den einzigen Gegenstand, der mich an dasLeben fesselt, wiedersehen werde. Friedrich.
19.
Schone recht Deine Nerven, meine liebe Amalie. Pomeranzeublüteund Bewegung sind für die Griechin, denn ich befinde mich sehr übeldurch die Französinnen. Würde es trotzdem mit Boulogne, das ich mehrals alles andere lieben würde, unmöglich sein, so soll es eine reizendeGesellschaft in Versailles außerhalb des Departements geben. Aber ichüberlege hinter Riegeln. Adieu, liebe Amalie. Ich küsse Dich und meinenkleinen Ernst. Du sprichst nie von Anna. Friedrich.
20.
Ich danke Dir, meine liebe Amalie, für das kleine Trostwort, dasDu mir gibst; es ist Balsam auf meine Wunden und ich habe es indem verfallenen Znstand, in den ich körperlich wie moralisch geraten bin,gar sehr nötig.
25. Prairial j13. Juni 1794j. Friedrich.