112 Vergleich.
den Herzog in keiner Weise begünstigt, „weil er als Günstling Napo-leons betrachtet worden sei", und habe ihm deswegen anfangs seineDomäneneinkünfte sequestriert — sehr mit Unrecht, „denn Napoleonhabe ihm mehr Leid zugefügt als kaum irgendeinem anderen Reichs-sürsten".
Am 15. Oktober 1819 forderte ^ der Generalleutnant K. HeinrichF. Graf von der Goltz, preußischer Gesandter am Hofe Ludwigs XVIII.,von dem Intendanten Thomas Stock genaue Auskunft darüber, wiedie französische Regierung bei der Festsetzung der Erbrente verfahrensei, und über die Verhandlung des Herzogs von Cadore mit demGrasen Roederer; Stock erklärte 2, die Auskunft nicht geben zu können,erwähnte der Beraubung seines Herzogs durch den Senatsbeschluß von1810 und schloß: „Seine Durchlaucht waren hierbei offenbar dasOpfer einer despotischen Willkür, indem man die Entschädigung ein-seitig bestimmte und den wahren Verlust bei weitem nicht erreichte."Die Verhandlungen brachen nicht ab, der Herzog wendete sich an denKönig von Preußen, und dieser beauftragte, wie er Prosper Ludwigschrieb den Staatskanzler Fürsten Hardenberg mit dem Vortrageüber die Regulierung der Erbrente. Als der König im Juli 1821nach Aachen kam, wo der Herzog eben lebte, lehnte er den Besuchdesselben ab. Die Sache schien unerledigt bleiben zu sollen, worüberHardenberg dem Herzoge sein Bedauern aussprach Endlich schloßder Oberpräsident Freiherr von Vincke mit dem getreuen arenbergischenBevollmächtigten Hofkammerrat Landschütz am 9. Oktober 1823 einenVergleich V der Herzog und seine Nachkommen verzichteten auf diestandesherrlichcn Gerechtsame außer einigen näher bezeichneten persön-lichen und Ehrenrechten, erhielten Einquartierungsfreiheit für die vonihnen selbst bewohnten Gebäude, eine jährliche Entschädigungsrente von13 500 preußischen Talern und für die Zeit bis zum 1. Januar 1824die einmalige Summe von 138 400 Talern bar. Der König lehntedie Erhöhung der Rente auf 15 000 Taler ab und stellte dem Herzogevor, wenn er nicht ratifiziere, „die Vergleichsverhandlungen ganz auf-
' O. Paris. (Herzogliches Haus. Vol. II. Nr. 2. A.B.)
2 Paris, 21. Oktober 1819. (K., e.)
° Berlin, 1. Juni 1821. (O., e.).
^ Berlin, 12. Juli 1822. (O., e.)
b O., c.