Druckschrift 
Geschichte des altsteirischen Herren- und Grafenhauses Stubenberg : mit 27 Abbildungen und einer Stammtafel
Entstehung
Seite
284
Einzelbild herunterladen
 

284

kam wegen der Ungleichheit der Waffen ein Graufen an. Dabei ließman Stubenberg nicht die Zeit, sich in eine ordentliche Positur zustellen, und die Zeugen versichern, daß er fchon früher erstochen wordenwäre, wäre er nicht auf der entgegengesetzten Seite beim Schwarzen-bergischen Hause ausgestiegen. Herberstein sprang vor den Wagen,schaffte die Leute, vornehmlich die Stubenbergischen Bedienten, mit demDegen ab, drängte Saurau, damit er besser geschützt sei, zehn Schrittegegen das Herbersteinische Haus zurück und hinderte Stubenberg, alser den Gegenstoß führte, indem er mit seinem Degen dazwischen schlug.Wäre das nicht geschehen, so würde vielleicht Saurau trotz seinerbesseren Bewaffnung getötet worden sein. Dieser fiel dann seinem Gegnerin den Degen, den er beim Gefäß faßte und führte, während er ihnmit der linken Hand festhielt, den tödlichen Stoß. Er wurde, wie derProkurator bemerkte, wider alle Regel geführt, da Stubenberg schonentwaffnet war. Saurau selbst bekannte, er habe den Gegner in dasHerz oder in den Magen gestochen, nachdem er ihn entwaffnet; er habeihn getötet, weil er um keinen Pardon gebeten. Saurau flüchtete sichnach vollzogener Tat in das Kloster der beschuhten Augustiner zuSt. Paul an der Stiege in Graz. Herberstein suchte zuerst Rettung beiden Jesuiten, dann in seinem Haufe, wo er arrestiert wurde. Unterungewöhnlichem Gepränge und überaus zahlreicher Beteiligung fandbei der herrschenden Hitze das Begräbnis schon am nächsten Tage statt.Der Leichnam wurde bei den Jesuiten in der Gruft der Stubenbergebeigesetzt. Allgemein beklagte man den Tod des Geheimrats. Schonsein Totenschein rühmt ihn als den wahrhaftigen Spiegel aller Tugenden,den Vater der Bedrängten und die Zuflucht der Verlassenen, Betrübtenund Notleidenden. Lauter noch erscholl sein Ruhm in der Lob- undTrauerrede, die am 14. Juli gehalten wurde.

Regierungs- und Landesbehörden hatten inzwischen die notwendigenMaßregeln getroffen, um die Schuldigen der verdienten Strafe zuzu-führen und die Ursachen des tranervollen Ereignisses aufzuhellen.Manches davon ist damals im Dunkel geblieben oder wurde stark ver-schleiert, weil man an hochstehende Persönlichkeiten, wie an den Landes-verweser, hätte herantreten müssen. Daher wurde manche bedenklicheTatsache, die unter den Motiven zu der grauenvollen Tat mitgewirkthat, nur angedeutet. Zunächst wurde noch am 7. Juli Hausarrest überdie Täter mit dem Befehle verhängt, sich auf fernere Verordnung zustellen, die unmittelbaren Zeugen der Entleibung zitiert und verhört/)von den Grafen Steinpeiß, Petaz u. a. eidmäßige schriftliche Aussagenüber die Vorkommnisse im Lesliegarten, von Rottal und Herbersteinüber die Vorgänge im ganzen und speziell am Tage der Tat eingeholt.Im Auftrage der Behörden wurde der Zu- und Ausgang zumAugustinerkloster besetzt und von der Landesregierung an den Kaiserberichtet. Am 9. Juli wurde die Verhaftung des Grafen Saurau l>e-

!) Das Parere der Arzte vom 7. Juli 17(18. Original, Landrecht Stuben-berg, 228.