— 36 —
8. Beginn der Reformation und Beteiligung der Herrenvon Crailsheim daran.
In diese Zeit fällt nun das Auftreten Luthers und des namentlichbei der Ritterschaft mächtigen Hutten. Die entstehende religiöse Gährungwurde unterstützt durch die politische, wie auch die politische durch diereligiöse neue Nahrung fand. Es war natürlich, daß sich zu dieser Zeitdie grollende und in ihrer Reichsunmittelbarkeit immer mehr bedrohteReichsritterschaft den neuen Lehren anschloß, wenn auch der Anschlußmanchmal nicht aus religiöser Ueberzcugung, sondern nur aus Oppo-sition gegen die bisherige Gestaltung der öffentlichen Verhältnisse erfolgte.Ursache zur Unzufriedenheit war ja genügend vorhanden durch die Be-drängung seitens der geistlichen und weltlichen Fürsten, welche die Ritter-schaft immer an der Ausübung ihrer guten Rechte zu hindern suchten.Ebenso muß sicher anerkannt werden, daß den ernster denkenden Ele-menten unter der Ritterschaft das immer mehr in sittlicher Beziehungund in Auslegung gewisser religiöser Institutionen in Verfall gerateneKirchenwesen große Bekümmernis bereitete und der aufrichtigste Wunsch nacheiner so notwendigen Reformation vorhanden war. So kann namentlichbei mehreren Mitgliedern der Familie von Crailsheim ein wahrer reli-giöser Ernst nicht geleugnet werden. Wir erinnern nur an den hervor-ragenden, leider nur zu früh gestorbenen Georg von Craisheim,einen Sohn Sebastians sen. und seine Geschwister Hans, Sebastian,Albrecht, Anna und Barbara.
Als Luther am 15. Juni 1520 vom Papste geächtet worden war,diese Bannbulle aber durch die Begünstigung der deutschen Fürsten wenigGehör fand, sah sich Kaiser Karl V. gezwungen, derselben die weltlicheAutorität zu verschaffen. Die deutschen Fürsten wußten es aber zuerreichen, Luther vorerst Gehör auf dem Reichstage zu Worms im