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Von weltlicher Obrigkeit.
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daß du ihm dennoch lassest ziemlich) Haus, Futter und Decke fürsich, sein Weib und Kind: denn solches wärest du ihm schuldig,wenn du es vermöchtest; viel weniger sollt du es nun nehmen,weil du sein nicht darfst, und er nicht entbehren kann. Sind sieaber beyde Unchristen, oder der eine nicht will nach der Liebe rechtrichten lassen, da magst du lassen einen andern Richter suchen,und ihm ansagen, daß sie wider Gott und natürlich Rechtthun, ob sie gleich bey Menschenrecht die strenge Scharfe erlan-gen. Denn die Natur lehret, wie die Liebe thut, daß ich thunsoll, was ich mir wollte gethan haben. Darum kann ich nie-mand also entblösscn, wie gut Recht ich immer habe, so ich selbstnicht gerne wollte also entblösset seyn; sondern ich wollte, daß einandrer sein Recht an mir nachliesse in solchem Fall, also soll ichmich meines Rechts auch verzeihen.
Also soll man handeln mit allem im rechten Gut, es seyheimlich oder öffentlich, daß immer die Liebe und natürlich Rechtoben schwebe. Denn wo du der Liebe nach urtheilest, wirst dugar leicht alle Sachen scheiden und entrichten, ohne alle Rechts-bücher. Wo du aber der Liebe und Natur Recht aus den Au-gen thust, wirst du es nimmermehr so treffen, daß es Gott ge-falle, wenn du auch alle Rechtsbücher und Juristen gefressen hat-test; sondern sie werden dich nur irrer machen, je mehr du ihnennachdenkest. Ein recht gut Urtheil, das muß und kann nicht ausBüchern gesprochen werden, sondern aus freyem Sinn daher, alswäre kein Buch. Aber solch frey Urtheil gibt die Liebe und na-türliche Recht, daß alle Vernunft voll ist; aus den Büchern kom-men gesponnende und wanckende Urtheil. Deß will ich dir einExempel sagen: Man sagt von Herzog Carl von Burgund einesolche Eeschicht, daß ein Edelmann seinen Feind sing: da kam dieFrau des Gefangenen, ihren Mann zu lösen; aber der Edelmannverhieß ihr den Mann zu geben, so fern sie bey ihm schlafenwollte. Das Weib war fromm, hatte doch gern ihren Mannerlöset; gehet hin und fragt ihren Mann, ob sie es thun solle,daß sie ihn erlöscte. Der Mann wäre gern los gewesen, undwollte sein Leben behalten, und erlaubele es der Frauen. Danun der Edelmann die Frau beschlafen hatte, ließ er des andernTages ihrem Mann den Kopf abschlagen, und gab ihn der Frauentodt. Das klagte sie alles dem Herzogen Earl: der foderte denEdelmann, und gebot ihm, daß er die Frau müßte zur Ehe neh-men. Da nun der Brauttag aus war, ließ er dem Edelmannden Kopf abschlagen, und satzte die Frau in sein Gut, und