29» Bon weltlicher Obrigkeit.
4. Mos. 22, 2». Darum ist kein Mensch zu verachten, wie ge-ring er ist. Wiederum, hat er lassen den höchsten Engel vomHimmel fallen, Offenb. 12, 9. Darum ist auf keinen Menschenzu vertrauen, wie klug, heilig, oder groß er sey; sondern mansoll einen jeglichen hören, und warten durch welchen Gott redenund wirken wolle. Denn das ist der grösseste Schade an HerrenHöfen, wo ein Fürst seinen Sinn gefangen gibt den grossenHannsen und Schmeichlern, und sein Zusehen laßt anstehen.Sintemal es nicht einen Menschen betrift, wenn ein Fürste feh-let und narret, sondern Land und Leute muß solches Narrentragen.
Darum soll ein Fürste also seinen Gewaltigen vertrauen,und sie lassen schaffen, daß er dennoch den Zaum in der Handbehalte, und nicht sicher sey noch schlafe, sondern zusehe, und dasLand (wie Josaphat thäte, 2. Chron. 19, K fgg.) bereite; undallenthalben besehe, wie man regiert und richtet; so wird erselbst erfahren, wie man keinem Menschen ganz vertrauen soll.Denn du darfst nicht denken, daß sich ein anderer dein und dei-nes Landes so hart annehme als du, er sey denn voll Geistesund ein guter Christ; ein Naturmensch thut es nicht. Weil dukenn nicht weissest, ob er ein Christ sey, oder wie lange ers blei-bet, so kannst du dich auch nicht auf ihn sicher verlassen.
Und hüte dich nur vor denen am meisten, die sagen: Ey,Gn. Herr, vertrauet mir E. Gn. nicht mehr denn so viel? Werwill E. Gn. dienen ic. Denn der ist gewißlich nicht rein, undwill Herr im Lande seyn, und dich zum Maulaffen machen. Dennwo er ein rechtschaffener Christ und fromm wäre, würde ers gargerne haben, daß du ihm nicht Vertrauetest, und würde dich dar-um loben und lieben, daß du ihm so genau drauf sehest. Denn gleichwie er göttlich handelt; also will und kann er leiden, daß sein Thunvor dir und jedermann am Tage liege; wie Christus spricht Joh.H 21: Wer Gutes thut, der kömmt ans Licht, daß seine Werckegesehen werden, denn sie sind in Gott geschehen. Jener aberwill dir die Augen blenden und im Finstern handeln, wie Chri-stus daselbst auch sagt v. 20: Wer übel thut, der scheuet dasLicht, daß seine Wercke nicht gestraft werden. Darum hüte dichvor ihm; und ob er darum murret, so sprich: Lieber, ich thuedir kein Unrecht, Gott will nicht, daß ich mir selbst noch einigenMenschen vertraue; zürne mit ihm selbst darum, daß er solcheshaben will, oder dich nicht mehr denn einen Menschen geschaffen.
Wiewohl wenn du gleich ein Engel wärest, weil doch Luci-