Druckschrift 
10 (1828)
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297
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Von weltlicher Obrigkeit.

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der oberste Fürst, ist kommen und hat mir gedienet; nicht gesucht,wie er Gewalt, Gut und Ehre an mir hatte, sondern hat nurmeine Noth angeschen, und alles daran gewandt, daß ich Ge-walt, Gut und Ehre an ihm und durch ihn hatte. Also will ichauch thun: nicht an meinen Unterthanen das meine suchen, son-dern das ihre, und will ihnen auch also dienen mit meinem Amt,sie schützen, verhören und vertheidigen, und allein dahin regieren,daß sie Gut und Nutz davon haben, und nicht ich. Daß alsoein Fürst in seinem Hertzen sich seiner Gewalt und Obrigkeit äus-sere, und nehme sich an der Nothdurft seiner Unterthanen, undhandele darinn, als wäre es seine eigene Nothdurft. Denn alsohat uns Christus gethan, und das sind eigentlich ChristlicherLiebe Wercke.

So sprichst du denn: Wer wollte denn Fürst seyn? Mitdem würde der Fürstenstand der elendeste seyn auf Erden, da vielMühe, Arbeit und Unlust innen ist. Wo wollten denn die Fürst-lichen Ergötzungen bleiben, mit tanzen, jagen, rennen, spielen,und was dergleichen weltlicher Freuden sind? Antworte ich:Wir lehren jetzt nicht, wie ein weltlicher Fürst leben solle, son-dern wie ein weltlicher Fürst ein Ehrist seyn solle, daß er auchgen Himmel komme. Wer weiß das nicht, daß ein Fürst Wilpretim Himmel ist? Ich rede auch nicht darum, daß ich hoffe, welt-liche Fürsten Werdens annehmen; sondern ob irgend einer wäre,der auch gern ein Christe wäre, und wissen wollte, wie er fahrensolle. Denn ich bin deß wohl gewiß, daß Gottes Wort sich nichtlenken noch beugen wird nach dem Fürsten, sondern die Fürstenmüssen sich nach ihm lencken.

Mir ist gnug, wenn ich anzeige, daß nicht unmöglich sey,ein Fücste ein Ehrist seyn; wiewohl es seltsam ist, undschwerlich zugehet. Denn wo sie sich also drein schicken, daß ihrTanzen und Jagen und Rennen den Unterthanen ohn Schadenwäre, und sonst ihr Amt gegen sie in der Liebe liessen gehen;würde Gott nicht so hart seyn, daß er ihnen Tanz und Jagenund Rennen nicht sollte gönnen. Aber es würde sich selbst wohllernen, wenn sie ihrem Amt nach, ihre Unterthanen warten undversorgen sollten, daß gar mancher lieber Tanz, Jagen, Rennenund Spielen müßten nach bleiben.

Aufs andere, daß er acht habe auf die grossen Hannsen, aufseine Rathe, und halte sich gegen sie also, daß er keinen verachte,auch keinem vertraue, alles auf sie zu verlassen; denn Gott kannder bevder keines leiden. Er hat einmal durch einen Esel geredt,