Druckschrift 
10 (1828)
Entstehung
Seite
296
Einzelbild herunterladen
 

29 k Von weltlicher Obrigkeit.

zu lindern sey, also, daß allzeit über alles Recht regiere, und dasoberste Recht und Meister alles Rechten bleibe, die Vernunft.Gleichwie ein Hausvater, ob er wohl bestimmte Zeit und Maaßder Arbeit und Speise über sein Gesind und Kinder setzt, muß erdennoch solche Satzung in seiner Macht behalten, daß ers andernoder lassen möge, wo sich ein Fall begäbe, daß sein Gesindekranck, gefangen, aufgehalten, betrogen, oder sonst verhindertwürde, und nicht mit der Strenge fahren über die Kranckcn, wieüber die Gesunden. Das sage ich darum, daß man nicht meyne,es sey gnug und köstlich Ding, wenn man dem geschriebenenRecht oder Juristen Räthen folget. Es gehöret mehr dazu.

Wie soll denn ein Fürst thun, wenn er nicht so klug ist,und sich regieren lassen muß durch Juristen und Rechtbücher?Antwort: Darum habe ick gesagt, daß Fürstenstand ein gefähr-licher Stand ist; und wo er nicht selbst so klug ist, daß er selbstbeyde sein Recht und Rathe regiert, da gehet es nach demSpruch Salomonis Pred. 10, 16.- Wehe dem Land, das einKind zum Fürsten hat. Das erkannte auch Salomon, darumverzagte er an allem Recht, das ihm auch Moses durch Gotthatte vorgeschrieben, und an allen seinen Fürsten und Räthen,und wandte sich zu Gott selber, und bat ihn um ein weises Hertz,das Volck zu regieren, 1. Kön. 3, 9.

Dem Exempel nach muß ein Fürst auch thun, mit Furchtfahren, und sich weder auf todte Bücher, noch auf lebendigeKöpffe verlassen, sondern sich bloß an Gott halten, ihm in denOhren liegen, und bitten um rechten Verstand, über alle Bücherund Meister, seine Unterthanen weislich zu regieren. Darumweiß ich kein Recht einem Fürsten vorzuschreiben, sondern willnur sein Hertz unterrichten, wie das soll gesinnet und geschicktseyn in allen Rechten, Räthen, Urtheilen und Händeln, daß, woer sich also hält, wird ihm Gott gewißlich geben, daß er alleRechte, Rathe und Händel wohl und recht ausrichten kann.

Aufs erste, muß er ansehen seine Unterthanen, und dasselbesein Herz recht schicken. Das thut er aber denn, wenn er alleseinen Sinn dahin richtet, daß er denselben nützlich und dienlichsey. Und nicht also denckc: Land und Leute sind mein, ich willsmachen, wie mirs gefällt; sondern also.- Ich bin des Landes undder Leute, ich solls machen, wie es ihnen nütz und gut ist.- nichtsoll ich suchen, wie ich hoch fahre und herrsche; sondern wiesie mit gutem Frieden beschützt und vertheidiget werden.- und sollEhristum in seine Augen bilden, und also sagen.- Siehe Christus,