286 Won weltlicher Obrigkeit.
Wahrheit, die Gott selber ist, und glaubt an die Lügen und Irr-thümer, halt das für recht, das unrecht ist.
Darum ists gar überaus ein narrisch Ding, wenn sie gebie-ten, man sollte der Kirchen, den Vätern, Concilien glauben, obgleich kein Gottes Wort da sey. Teufelsapostel gebieten solches,und nicht die Kirche: denn die Kirche gebeut nichts, sie wisse denngewiß, daß es Gottes Wort sey, wie St. Petrus sagt I. Epist.4, 11: Wer da redet, der rede es als Gottes Wort. Sie wer-den aber gar lange nicht beweisen, daß der Concilien Satze Got-tes Wort sind. Viel narrischer ists aber, wenn man sagt, dieKönige und Fürsten, und die Menge glaubet also. Lieber, wir pOdrnsind nicht getauft auf Könige, Fürsten, noch aus die Menge, svn-dern auf Christum und Gott selber: wir heissen auch nicht Kö- iiiHMnige, Fürsten oder Menge; wir heissen Christen. Der Seelensoll und kann niemand gebieten, er wisse denn ihr den Weg zuweisen gen Himmel. Das kann aber kein Mensch thun, sondernGott allein. Darum, in den Sachen, die der Seelen Seligkeitbetreffen, soll nichts denn Gottes Wort gelehret und angenom-men werden. Ztem, wenn sie gleich grobe Narren sind, so müs-sen sie ja das bekennen, daß sie keine Gewalt über die Seelen ha-ben. Denn es kann ja kein Mensch eine Seele todten oder le-bendig machen, gen Himmel oder Hölle führen. Und ob sie unsdas nicht glauben wollten, wird je Christus das starck genug ,
zeugen, da er spricht Matth. 10, 28: Fürchtet euch nicht vor de-nen, die den Leib todten, und darnach nichts haben, das sie thun;fürchtet aber den, der, nachdem er den Leib tobtet, Macht hat indie Hölle zu verdammen. Ich meyne je, daß hie klar genug dieSeele aus aller Menschen Hand genommen, und allein unter '
Gottes Gewalt gestellet sey. .
Nun sage mir, wie viel Witz muß der Kopf wohl haben,der an dem Ort Gebot legt, da er gar keine Gewalt hat? Werwollte den nicht für unsinnig halten, der dem Mond geböte, er li« ,sollte scheinen, wenn er wollte? Wie fein würde sichs reimen,wenn die zu Leipzig uns zu Wittenberg, oder wiederum, wir zu .
Wittcnberg denen zu Leipzig, wollten Gebote auflegen? Manwürde gewißlich Niesewurtz den Gebietern zu Danck schencken,daß sie das Gehirn fegten, und den Schnupffcn büsseten. Nochfahren jetzt unser Kayser und kluge Fürsten also, und lassen sichPabst, Bischöffe und Sophisten dahin führen; ein Blinder denandern, daß sie ihren Unterthanen gebieten zu glauben, ohne Got- 's