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10 (1828)
Entstehung
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285
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Bon weltlicher Obrigkeit. 285

wissen. Denn untrüglich und greulich Schaden draus folget, woman ihr zuweit Raum gibt, und auch nicht ohne Schaden ist,wo sie zu enge gespannet ist. Hie straft sie zu wenig, dort straftsie zu viel. Wiewohl es traglicher ist, daß sie auf dieser Seitensündige, und zu wenig strafe, denn daß sie auf jener Seiten sün-dige, und zu viel straft; sintemal es allezeit besser ist, einen Bu-ben leben lassen, denn einen frommen Mann todten, nachdem dieWelt doch Buben hat und haben muß, der Frommen aber we-nig hat.

Aufs erste, ist zu mercken, daß die zwey Theil Adams Kin-der, der eins in Gottes Reich unter Christo, das andere in derWelt Reich unter der Obrigkeit ist, (wie droben gesagt,) zweyer-ley Gesetze haben; denn ein jcglich Reich muß sein Gesetz undRechte haben, und ohne Gesetz kein Reich noch Regiment bestehenkann, wie das gnugsam die tägliche Erfahrung gibt. Das welt-liche Regiment hat Gesetze, die sich nickt weiter erstrecken, dennüber Leib und Gut, und was äusserlich ist auf Erden. Dennüber die Seele kann und will Gott niemand lassen regieren, dennsich selbst alleine. Darum wo weltliche Gewalt sich vermisset, derSeelen Gesetz zu geben, da greifst sie Gott in sein Regiment,und verführet und verderbet nur die Seelen. Das wollen wirso klar machen, daß mans greiften solle, auf daß unsere Jun-kern, die Fürsten und Bischöffe sehen, was sie für Narren sind,wenn sie die Leute mit ihren Gesetzen und Geboten zwingen wol-len, sonst oder so zu glauben.

Wenn man ein Menschengesetz auf die Seelen legt, daß siesollen glauben sonst oder so, wie derselbe Mensch fürgibt; so istgewißlich da nicht Gottes Wort. Ist Gottes Wort nicht da, soistS ungewiß, obs Gott haben will: denn was er nicht gebeut,deß kann man nicht gewiß seyn, daß ihm gefalle; ja, man ist ge-wiß, daß es Gott nicht gefalle. Denn er will unsern Glauben,bloß und lauter allein auf sein göttlich Wort gegründet haben,wie er spricht Matth. 16, 18: Auf diesen Fels will ich meineKirche bauen. Und Joh. ! v, 27. 5: Meine Schafe hören meineStimme, und kennen mich; aber der Fremden Stimme hören sienicht, sondern fliehen von ihnen. Daraus folget denn, daß welt-liche Gewalt die Seelen zum ewigen Tode dringet mit solchemFrevelgebot: denn sie zwinget solches zu glauben, als das rechtund gewiß Gott gefallig sey, und ist doch ungewiß, ja gewiß, daßmißfallet; weil kein klar Gottes Wort da ist. Denn wer dasfür recht glaubt, das unrecht oder ungewiß ist, der verleugnet die