282 Bon weltlicher Obrigkeit.
gentlich Amt gewesen ist und seyn mußte, als des obersten Ko-nig? in demselben Reich. Nun aber nicht alle Christen dasselbeAmt haben; (wie wohl sie es haben mögen,) ists billig, daß siesonst ein anders äusserlich haben, damit auch Gott gedienet mazwerden.
Aus diesem allen folget nun, welches der rechte Verstandsey der Worte Christi, Matth. Z, 39. Ihr sollt dem Uebel nichtwiderstreben ic. nemlich der, daß ein Christ soll also geschickt seyn,daß er alles Uebel und Unrecht leide, nicht sich selbst räche, auchnicht vor Gericht sich schütze; sondern, daß er allerdings nicht be-dürfe der weltlichen Gewalt und Rechts für sich selbst. Aber fürandere mag und soll er Rache, Recht, Sckutz und Hülfe suchen,und dazu thun, womit er mag. Also soll ihm auch die Gewalt,entweder von ihr selbst, oder durch anderer Anregen, ohne seineeigne Klage, suchen und anregen, helfen und schützen. Wo siedas nicht thut, soll er sich schinden und schänden lassen, und kei-nem Uebel widerstehen, wie Christi Worte lauten.
Und sey du gewiß, daß diese Lehre Christi nicht ein Rathfür die Vollkommenen sey, wie unsere Sophisten lästern und lü-gen, sondern ein gemein strenges Gebot für alle Christen - daß duwissest, wie die allzumal Heyden sind unter Christlichem Namen,die sich rächen oder vor Gericht um ihr Gut und Ehre rechtenund zancken; da wird nichts anders aus, das sag ich dir. Undkehre dich nicht an die Menge, und gemeinen Brauch; denn essind wenig Cbristen auf Erden, da zweifele du nichts an- dazuso ist Gottes Wort etwas anders, denn gemeiner Brauch.
Denn hie siehest du, daß Christus nicht das Gesetz aufhebt,da er spricht: Ihr habt gehöret, daß gesagt ist zu den vorigen,ein Aug um ein Aug.- Ich aber sage euch - ihr sollt keinem Uebelwiderstehen :c. sondern er leget den Verstand des Gesetzes aus,wie es zu verstehen sey; als sollt er sagen - Ihr Juden meynet,es sey vor Gott recht und wohl gethan, wenn ihr das euere mitRecht wiederholet, und verlasset euch darauf, daß Moses gesagthat, ein Auge um ein Auge w. Ich sage euch aber, daß solchGesetz Moses darum gegeben hat, über die Besen, die nicht zuGottes Reich gehören, daß sie sich selbst nicht rächen oder ärgersthun, sondern durch solch äusserlich Recht gezwungen werden, Bö-ses zu lassen, daß sie doch mit einem äusserlichen Recht und Re-giment verfasset werden, unter die Gewalt; ihr aber sollt euch sohalten, daß ihr solches Rechts nicht dürfet noch suchet. Denn obwohl die weltliche Obrigkeit solch Gesetz muß haben, darnach sie