278 Won weltlicher Obrigkeit.
nerlich, zugleich Uebel und Unrecht leidest und doch Uebel undUnrecht straM: zugleich dem Uebel nicht widerstehest, und dochwiderstehest. ^Denn mit dem einen siehest du auf dich und aufdas deine, mit dem andern auf den Nächsten und auf das seine.An dir und an dem deinen haltest du dich nach dem Evangelio,und leidest Unrecht, als ein rechter Christ für dich-; an dem an-dern und an dem seinen haltest du dich, nach der Liebe, und lei-dest kein Unrecht für deinen Nächsten: welches das Evangeliumnicht verbeut, ja, vielmehr gebeut an andern Orten.
Auf die Weise haben das Schwerdt geführet alle Heiligenvon Anfang der Welt. Adam mit seinen Nachkommen. Alsoführete es Abraham, da er Loth, seines Bruders Sohn erretteteund schlug die vier Könige t. Mos. 14, 14. 15. so er doch gantzund gar ein Evangelischer Mann war. Also schlug Samuel derheilige Prophet den König Agag, 1. Sam. 15, 33. und Eliasdie Propheten Baal, 1. Kön. 18, 40. Also Habens geführtMose, Josua, die Kinder Israel, Simson, David, und alle Kö-nige und Fürsten im Alten Testament. Item, Daniel und seineGesellen, Ananias, Asarias, und Michael, zu Babylonien. Item,Joseph in Egypten und so fortan.
Ob aber jemand wollte fürgeben, das Alte Testament seyaufgehaben und gelte nicht mehr, darum könnte man den Chri-sten solch Exempel nicht vortragen; Antworte ich: Das ist nichtalso. Denn St. Paulus 1. Cor. 10, 3. 4. spricht: Sie habendieselbige geistliche Speise gegessen, und Tranck getruncken vondem Fels, der Christus ist, wie wir; das ist, sie haben eben den-selben Geist und Glauben an Christum gehabt, den wir haben,und eben sowohl Christen gewesen, als wir; darum, woran sierecht gethan haben, daran thun alle Christen recht, von Anfangder Welt bis ans Ende. Denn Zeit und ausserlichcr Wandelscheidet nichts unter den Christen. Auch ists nicht wahr, daßdas Alte Testament also aufgehaben sey, daß man es nicht müssehalten, oder Unrecht thäte, wer es allzumal hielte; wie St. Hie-ronymus und viele mehr gestrauchelt haben: sondern es ist alsoaufgehaben, daß es frey ist zu thun und zu lassen, und nichtmehr noth ist bey Seelen Verlust zu halten, wie es dazumal war.Denn Paulus spricht 1. Cor. 7, 19. daß weder Vorhaut nochBeschneidung etwas sey, sondern eine neue Creatur in Cbristo,das ist, es ist nicht Sünde, Vorhaut haben, wie die Jüden menn-ten; so ists auch nicht Sünde sich? beschneiden, wie die Heydenmeyneten; sondern beydeZ frey und gut, wer also thut, daß er