Won weltlicher Obrigkeit. 277
Ob du nicht bedarfst, daß man deinen Feind strafe; so bedarfsaber dein krancker Nächster? dem sollt du helfen, Haß er Friedehabe, und seinem Feinde gesteuret werde. Weiches nicht geschehenmag, die Gewalt und Obrigkeit werde denn in Ehren und Furchterhallen. Christus spricht nicht also? Du sollt der Gewalt nichtdienen noch Unterthan seyn? sondern? Du sollt dem Uebel nichtwiderstreben. Als sollte er sagen- Halt du dich also, daß du al-les leidest, damit du der Gewalt nicht bedürfest, daß sie dir helfeund diene, nütz oder noth sey; sondern wiederum, daß du ihr hel-fest, dienest, nütz und noth seyest. Ich will dich höher haben undviel zu edel, denn daß du ihr bedürfest; sondern sie soll dein be-dürfen.
Aufs sechste, so fragst du? Ob denn auch ein Christ mögedas weltliche Schwerdt führen, und die Bösen strafen, weil ChristiWorte so hart und helle lauten, du sollt dem Uebel nicht wider-stehen, daß die Sophisten haben müssen einen Rath daraus ma-chen? Antwort? Du hast jetzt zwey Stücke gehört. Eins, daßunter den Christen das Schwerdt nicht seyn kann; darum kannstdu es über und unter den Christen nicht führen, die sein nichtbedürfen. Darum mußt du mit der Frage hinaus, auf den an-dern Haufen, die nicht Christen sind, ob du sein daselbst Christ-lich brauchen mögest. Da ist das andere Stück, daß du demSchwerdt zu dienen schuldig bist, und fördern sollt, womit dukannst, es sey mit Leib, Gut, Ehre und Seele. Denn es ist einWerck, deß du nichts bedarfst, aber gantz nütz und noth allerWelt und deinem Nächsten. Darum wenn du stehest, daß amHencker, Bötel, Richter, Herren und Fürsten mangelt, und dudich geschickt fündest, solltest du dich dazu erbieten, und darumwerben, auf daß ja die nöthige Gewalt nicht veracht und matrwürde, oder unterginge; denn die Welt kann und mag ihr nichtgerathen. Ursache, denn in dem Fall gingest du einher gantz infremden Dienst und Wercken, das nicht dir noch deinem Gutoder Ehre, sondern nur dem Nächsten und andern nützet? unsthätest es nicht der Meynung, daß du dich rächen, oder Bösesum Böses geben wolltest; sondern deinem Nächsten zu gut, undzu Erhaltung Schutz und Friedens der andern. Denn vor dichselbst bleibest du an dem Evangclio, und haltest dich nach ChristiWort, daß du gern den andern Backenstreich leidest, den Mantelzum Rock fahren lässest, wenn es dich und deine Sache beträfe.
Also gehets denn beydes fein mit einander, daß du zugleichGottes Reich und der Welt Reich gnug thust äusserlich und in-