Von weltlicher Obrigkeit. 27.?
bösen Thaten gezwungen werden; wie wir hören werden hernach.Nun aber kein Mensch von Natur Christe oder fromm ist,sondern alzumal Sünder, und böse sind, wehret ihnen Gott al-lein durchs Gesetz, daß sie äusserlich ihre Bosheit mit Werckennicht dürfen nach ihrem Muthwillen üben. Dazu gibt St. Pau-lus dem Gesetz noch ein Amt, Rom. 7, 7. und Gal. 3, 20. daßes die Sünde erkennen lehret; damit es den Menschen demüthigtzur Gnade und zum Glauben Christi. Also thut auch hie Chri-stus Marth. 5, 39. da er lehret, man solle dem Uebel nichtwiderstehen, damit er das Gesetz erklaret, und lehret, wie einrechter Christe solle und müsse geschickt seyn; wie wir weiter hö-ren werden.
Aufs vierte, zum Reich der Welt oder unter das Gesetz ge-hören alle, die nicht Christen sind. Denn sintemal wenig glau-ben, und das wenigere Theil sich hält nach Christlicher Art, daßes nicht widerstrebe dem Uebel; ja, daß es nicht selbst Uebel thue,hat Gott demselben ausser dem Christlichen Stand und GottesReich ein ander Regiment verschasst, und sie unter das Schwerdtgeworfen, daß, ob sie gleich gerne wollten, doch nicht thun könnenihre Bosheit, und ob sie es thun, daß sie es doch nicht ohn Furcht,noch mit Fried und Glück thun mögen. Gleichwie man einwild böse Thier mit Ketten und Banden fasset, daß es nichtbeissen noch reisten kann, nach seiner Art, wiewohl es gerne wollte,deß doch ein zahm, körre Thier nicht bedarf, sondern ohn Kettenund Band dennoch unschädlich ist. Denn wo das nicht wäre,sintemal alle Welt böse, und unter tausenden keiner ein rechterChrist ist, würde uns das andere fressen, daß niemand könnteWeib und Kind ziehen, sich nähren, und Gott dienen, damit dieWelt wüste würde. Darum hat Gott die zwey Regiment ver-ordnet: das geistliche, welches Christen und fromme Leute machtdurch den Heiligen Geist unter Christo; und das weltliche, wel-ches den Unchristen und Bösen wehret, daß sie äusserlich müssenFriede halten, und still seyn ohn ihren Danck. Also deutet St.Paulus das weltliche Schwerdt, Nöm. 13, 3. und spricht: Essey nicht den guten, sondern den bösen Wercken zu fürchten.Und Petrus spricht 2. Epist. 2, 14. Es sey zur Rache über dieBösen, und zu Lobe den Frommen geben.
Wenn nun jemand die Welt nach dem Evangelio regieren,und alle weltliche Recht und Schwerdt aufheben, und fürgeben,sie wären alle getauft und Christen, unter welchen das Evange-lium will kein Recht noch Schwerdt haben, auch nicht noth ist;
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