Druckschrift 
10 (1828)
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272
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272 Von weltlicher Obrigkeit.

Wahrheit ist, der höret meine Stimme-, und immer im Evange-lio das Reich Gottes anzeucht, und spricht Matth. Z, 2: Besserteuch, das Reich Gottes ist herbey kommen. Item Matth. 6, zz.-Suchet am ersten das Reich Gottes, und desselben Gerechtigkeit.Und nennet auch das Evangelium, ein Evangelium des ReichsGottes, darum, daß es das Reich Gottes lehret, regiert underhalt.

Nun siehe, diese Leute dürfen keines weltlichen Schwerinsnoch Rechts. Und wenn alle Welt rechte Christen, das ist, rechtGlaubige waren, so wär kein Fürst, König, Herr, Schwerst nochRecht noth oder nütz. Denn wozu sollte es ihnen? Dieweilsie den heiligen Geist im Herzen haben, der sie lehret, und macht,daß sie niemand unrecht thun, jedermann lieben, von jedermanngerne und fröhlich unrecht leiden, auch den Tod. Wo eitel Un-recht leiden, und eitel Recht thun ist, da ist kein Zanck, Hader,Gericht, Richter, Strafe, Recht, noch Schwerst noth. Darum istsunmöglich, daß unter den Christen sollte weltlich Schwerin undRecht zu schassen haben; sintemal sie viel mehr theurer ihnenselbst, denn alle Recht und Lehre fordern mögen. GleichwiePaulus sagt 1. Tim. 1, 9: Dem Gerechten ist kein Gesetz gege-ben, sondern dem Ungerechten.

Warum das? Darum, daß der Gerechte von ihm selbstalles und mehr thut, denn alle Rechte fordern.» Aber die Unge-rechten thun nichts rechts, darum dürfen sie des Rechts, das sielekre, zwinge und dringe, wohl zu thun. Ein guter Baum darfkeiner Lehre noch Rechts, daß er gute Früchte trage; sondernseine Natur gibts, daß er ohn alles Recht und Lehre tragt, wieseine Art ist. Denn es sollte nun gar ein narrischer Menschseyn, der einem Aepsselbaum ein Buch machte voll Gesetze undRechts, wie er sollte Aepffel, und nicht Dornen tragen, so erdasselbe besser von eigener Art thut, denn ers mit allen Büchernbeschreiben und gebieten kann. Also sind alle Christen durch denGeist und Glauben allerdings genaturt, daß sie wohl und rechtthun, mehr denn man sie mit allen Gesetzen lehren kann unddürfen vor sich selbst keines Gesetzes noch Rechts.

So sprichst du denn: Warum hat denn Gott so viel Ge-setze geben allen Menschen, und Christus auch viel lehret imEvangelio zu thun? Davon hab ich sonst in der Postill und an-derswo viel geschrieben. Jetzt aufs kürtzeste spricht Paulus, daSGesetz sey um der Gerechten willen geben, 1. Tim. 1, 9. das ist,daß diejenigen, so nicht Christen sind, durchs Gesetz äusserlich von