236 Capitel 17.
überall, sehen ihre Noth und Gefahr nicht, lassen sich dünckensie sitzen nun vest, und haben schon, was sie mögen begehren - stist der Teufel hinter ihnen, berückt und stürtzet sie, daß sie esnimmer gewahr werden. Dieser Ursach halben lehret uns Chri-stus mit seinem eigenen Exempel, neben der Predigt des Gebetsnicht zu vergessen, auf daß das Wort nicht ohne Frucht abgeheund gehandelt werde.
Was aber diß Gebet für Kraft, Eigenschaft und Tugendan sich habe, werden wir, habe ich Sorge, nicht gnugsam könnenaussircichen. Denn so schlecht und einfaltig es klinget, so tief,reich und weit ist es, daß niemand ergründen kann.
Vater, die Stunde ist hier, daß du deinen Sohn ver-klarest.
Es ist aber kürtzlich so viel gebetet: Lieber Vater, ich bitte,verklare mich; aber nicht darbey geblieben, sondern eben darum,daß ich dich verklaren möge. Verklären aber heißt nichts anders,denn preisen und hochheben, herrlich und beruffen machen, daßalle Welt davon zu singen und sagen wisse.
Siehe, das Heisset nun Christus Hiersein Stündlein kom-men oder vorhanden seyn; denn er betet mit solchem Sinn undErnst, als hinge er am Ereutz, als sollte er sagen - Nun stecke ichmitten in Schande und Tode, und liege in tiefester Finsterniß,nun ist es Zeit, daß du mich Herfür ziehest, empor hebest, und zuEhren setzest, weil mein Licht so gar verloschen ist, und die Weltmich mit Füssen trit, jedermann mich scheuet und fleucht, daßkein Rath noch Hülfe ist, denn daß du selbst dazu thust. Denn,daß ich aus des Todes Rachen und Teufels (welcher ist ein Fürstder Finsterniß, Ephes. 6, 12.) Gewalt komme, da gehöret eineewige, allmachtige, göttliche Kraft zu.
Auf daß dich dein Sohn auch verklare.
Den Vater verklaren ist nichts anders, denn daß man ihnerkenne, und wisse, wer er sey, was er im Sinne habe, und wieer mit ihm dran sey. Zu solchem Erkenntniß kann kein Menschkommen, ohne durch den Christum. Denn er hat sich nirgend,denn in und durch ihn wollen offenbaren, daß man sein Hertzund Willen sehe. Nun siehet man nichts in Christo, denn eitelhertzliche, unausgründliche Liebe und Gnade, wiederum, ausser ihmnichts denn Zorn und Ungnade. Summa, wer Gott suchet,oder ihm dienen will, anders, denn in dem Christo, der findetund dienet nicht dem rechten Gott.
2. Gleichwie du ihm hast Macht gegeben über alles Fleisch,