Capitel 17,
ihnen zur Letze gelassen hat, und achtets doch niemand, Ware esnickt geschrieben, so wollten wir bis an der Welt Ende darnachlauffen.
Und ist sürwahr aus der Maassen ein hcsstig, hertzlich Ge-bet, darinnen er den Abgrund des Hertzcns, beyde, gegen uns undseinen Vater eröffnet und gantz herausscküttet- Es sino abersolche Worte, die in unsern Ohren, so sie ohne Geist hören, lau-ten, als lauter Kindertheidinge, die weder Kraft noch Saft ha-ben, ja, nicht werth seyn, zu reden. Denn Vernunft und mensch-liche Weisheit hält nichts von dem, so man nicht mit prächtigen,hocktrabenden Worten vorgibt und ausmutzet, daß jedermann Au-gen und Obren aufsperren muß.
Wenn wir aber sehen und erwegen könnten, wer der Mannist, so da bittet, und auch, der gebeten wird, dazu, wie groß dasist, darum er bittet: würden wirs nicht so unwerth und geringeachten, sondern gewahr werden und fühlen, was diese einfältigenWorte für überschwengliche Kraft und tröstlich Ding haben undgeben. Denn hier hält er selbst die Regel, so er uns gegebenund gelehret hat, Matth. 6, 5. 7., wenn man recht beten will,dürfe man nicht viel langer, köstlicher Worte machen, sondernnur schlecht und recht das beste. Darum sollen wir das Gebetnicht so geringe halten, noch überhin lauffen, als seyn es unnützeMenschenworte, wie sich ein jeglicher lässet düncken, er wollte esviel besser machen. Sollte es aber jemand ansahen und versu-chen, so würde ihm bald Kunst, Wort und Weise zerrinnen.
Das ist aber die Summa und Ursache dieses Capitels. Aufeine gute Predigt gehöret ein gut Gebet, das ist, wenn man dasWort von sich gegeben bat, soll man anheben und seufzen undbegehren, daß es auch Kraft habe und Frucht schaffe. Denn weilder Herr Christus nun alle seine Lehre, Amt von sich gegebenund vollendet, und seine Jünger mit der schönen langen Trost-predigt gesegnet hatte- mußte er zur Letze auch eine Bitte thun,beyde, für sie und alle Christen, auf daß er sein Amt, als unsereiniger Hoherpriester, gar ausrichtete, nichts nachliesse, das dadienete, sie zu stärcken und zu erhalten, weil er sie wollte alleinhinter ihm lassen in der Welt.
Darum habe ich allezeit gesagt, wie nöthig ein ChristlichGebet ist, daß ohne dasselbige der Glaube nicht bestehen noch blei-ben kann. Denn, die da Gottes Wort predigen, hören und wis-sen, und nicht auch beten, die geben zu verstehen, daß sie nochvermessen und sicher sind, als dürften sie Gottes Gnade nichts