Capitel 1k.
ihre Kindheit und Schwachheit, Gebrechen und Unverstand tragenund zu gute halten, damit er sie durch solche mütterliche Sanft-muth und Geduld bey ihm behalte und immer starcker mache.Denn er will das zerbrochene Rohr (spricht der Prophet Jesaias42, 3.) nicht zerbrechen, und das glimmende Tocht nicht auslö-schen, sondern aus dem kleinen, angehenden Füncklein ein Feueranbrennen, und den schwachen Glauben starcken und aufhelfen.Aber wiederum kann er auch wider den Teufel und seine spitzigenDrachenköpffe stachlicht und scharf seyn und sie überspitzen undÜberteufeln, wie er sie allenthalben im Evangelio böse Schlan-gen, Ottergezüchte und Kinder der Hollen nennet w.
SI. 32. Jesus antwortete ihnen: Jetzt glaubet ibr. Sehet,es kommt die Stunde, und ist schon kommen, daß ihrzustreuet werdet, ein jeglicher in das Seine, und michallein lasset. Aber ich bin nicht allein; denn der Vaterist bey mir.
Hiermit gibt er zu verstehen, worauf er seinen Trost allzeithabe. Er hat gar ein klein Haustein bey ihm in dieser letztenStunde, und ist jetzt an dem, daß ihm der Tod unter die Augenflösset, siehet schon die Stricke und Ketten auf ihn gebunden, undalle gerüstet und im Harnisch, die ihn angreiffen werden, und daßer dazu von diesen wenigen, seinen Jüngern, auch verlassen wird.Noch tröffet er sich deß: Ob gleich alle Welt wider mich ist, undauch diß kleine Haustein mich verlasset, dennoch will ich darumnicht untergehen; denn ich habe ja noch den Vater bey mir.
Das sind treffliche, hohe Worte, die auch dieser PersonChristi wohl anstehen. Aber, wer ist unter den Christen, der fleihm könnte nachsprechen, wie es doch sollte seyn, daß ein jeglicherseiner Sache so gewiß wäre, und könnte auch sagen: Wolan,wenn denn gleich alle Menschen von mir abfallen, so ist doch jader Vater noch bey mir. Aber, wo solch Wort wird geredet ohneschlucken, seufzen und weinen, so soll michs wunder haben, weilauch Christo selbst solch Elend ist unter Augen gangen, daß erso gar verlassen seyn mußte von aller Welt, auch von seinen al-lerliebsten Freunden.
Denn es hat ihm, als einem wahrhaftigen Menschen, müs-sen natürlich wehe thun, daß er sehen sollte auch die Seinen allesich vor ihm scheuen und lausten, und so gar niemand bey ihmstehen noch bleiben, wie er im Psalter der Klagen sehr viel füh-ret, als, Psalm 31, 12: Wer mich siehet auf den Gassen, derfleucht von mir! und Psalm 38, 12: Alle meine Freunde und