Druckschrift 
10 (1828)
Entstehung
Seite
228
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228 Capitel 16.

mitnehmen, und beydes zusammen ziehen, nicht den Text stückelnund stumpeln, eines heraus zwacken, und das andere stehen las-sen. Denn also spricht er: Der Vater selbst hat euch lieb, daßihr an mich glaubet. Denn er will sich nicht also aus dem Mit-tel thun, daß sie sollten ohne oder ausser ihm beten. Wenn wiraber diesen Mittler im Hertzcn haben, und glauben, daß er vonGott kommen, und des Vaters Befehl ausgerichtet, unsere Sündeund Tod hinweg zu nehmen, so können wir alsdenn auch selbstbeten, und ist solch Gebet Gott angenehm, um dieses Namenswillen, der da im Mittel stehet zwischen dem Vater und uns.Denn wir haben bereits sein Gebet, dadurch er uns hat gegendem Vater verbeten, welches er hat einmal gethan, aber noch inEwigkeit wahret, und machet, daß unser Gebet auch ihm gefälltund erhöret wird.

In diesem Glauben ist solche Meynung recht, daß ich kannsagen: Ich weiß, daß mein himmlischer Vater hertzlich gerne hö-ret, was ich nur bete; ja so ferne ich diesen Heiland, Christum,im Hertzen habe, der für mich gebeten hat, und also mein Gebetdurch seines angenehm ist: daß wir also unser Gebet in seinesflechten, und er ewiglich und bey allen Menschen der Mittler sey,durch welchen wir zu Gott kommen, und unser Gebet,, und waswir thun, in ihn eingeleibet und in ihn gekleidet sey, wie St. Pau-lus sagt, Rom. 13, 14., Eph. 1, 12., daß wir Christum anzie-hen, und alles in ihm geschehen soll, so es soll vor Gott ange-nehm seyn.

28. Ich bin vom Vater ausgegangen und kommen in dieWelt, wiederum verlasse ich die Welt und komme zumVater.

Nun ich das ausgerichtet habe, dazu ich gesandt bin, geheich wieder zum Vater. Und daß er ausdrücke, was solches zumVater gehen Heisse, sagt er: Ich verlasse die Welt, — daß alsodie Jünger selbst mercken, daß er jetzt etwas klarer redet, dennzuvor. Denn, daß er bisher bat gesagt, daß er wolle hingehen,deutet er jetzt also, daß es Heisse, die Welt verlassen, das ist, daßer nicht mehr will auf Erden unter den Leuten seyn mit äusserli-chem Leben und Wesen, essen und trincken, gehen und stehen.Das will ich, spricht er, verlassen, und den Leuten aus den Au-gen, Ohren, Sinnen, und diesem gantzen leiblichen Wandel, da-rinnen ihr und ich jetzt noch leben, und in ein ander himmlischLeben treten, da mich die Welt nicht sehen wird. Diese Wortebeginnen die lieben Jünger etlichermassen zu verstehen. Darum.-