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Capitel 15.
1. Ich bin ein rechter Weinstock, und mein Vater ein Wein«gärtner.
iß alles, was da folget in diesem und sechszehcnten Capitel,hat der Herr mit den Aposteln geredet, als er nun nach demAbendessen aufgestanden ist, auf dem Wege, in den Garien zugehen, und redet nun weiter, nicht allein von dem Trost, den siehaben sollten nach seiner Auferstehung, daß sie ihn wieder sehenwürden, sondern, der da für und für wahren sollte, wenn er nungen Himmel gefahren und sie zerstreuet würden in die Welt, dasie auch sollten Leiden und Verfolgung haben. Und stehet hiemitvor sich, wie es seinen lieben Jüngern und Christen gehen werde,und koppelt zugleich sich und sie zusammen, fasset in die Augenbeyde, sein Leiden, so jetzt vorhanden war, und auch das Leiden,so folgend über die Jünger gehen würde, und machet davon einaus der massen schön Gleichniß und Gemählde-, als sollte er spre-chen: Was soll ich euch viel sagen? Ich gehe dahin, und mußleiden und sterben; dergleichen werdet ihr Hernachmals auch thunmüssen. Darum gsmahnet michs, gleich wie eines Weinstocksund Weingartners; denn es wird mit uns gleich also zugehen,wie es dem Weinstock und seinem Reben gehet.
Das ist ein sehr tröstlich Bild und eine feine, liebliche Pro-sopopoeia, damit er vor die Augen stellet, nicht einen unnützen,unfruchtbaren Baum, sondern den lieben Weinstock, der wol nichtköstlich anzusehen, und doch viel Früchte tragt und den lieblichsten,süssesten Saft gibt, und deutet alles Leiden, so, beyde, ihm undihnen widerfahren soll, daß es nichts anders sey, denn die fleißigeArbeit und Wartung, die ein Wintzcr oder Weingärrner thut anseinem Weinstock und Weinreben, dazu, daß er wohl zunehmeund trage. Will uns hiermit lehren, daß wir Trübsal und Lei-den der Christen sollen viel anders ansehen, denn, wie sichs füh-let und vor der Welt scheinet, nemlich, daß es nicht geschehe ohnegöttlichen Rath und Willen, und nicht ein Zeichen des Zornesund Strafe sey, sondern der Gnade und vaterlichen Liebe, unduns zum besten dienen müsse.