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10 (1828)
Entstehung
Seite
179
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Capitel 15. 17ö

2. Einen jeglichen Reben an mir, der nicht Frucht bringet,wird er abschneiden.

Da machet er einen dürren Unterscheid zwischen denen, dieda Reben am Weinstock heisscn, und zeigr, daß gleichwol auchfalsche Christen sind. Denn er bildet fast alle Art, so am Wein-stock sind. Nun wachsen daran etliche Reben, so man HeissetWasserreben oder wilde Reben; das sind unartige Bankert undBeoschlage, die keine Frucht kragen, thun nicht mehr, denn daßsie den Saft verzehren, so die rechten fruchtbaren Reben habensollen. Darum ist mein Vater, spricht er, ein solcher Wintzer.-wo er siehet einen solchen Reben, der nicht taugt und die andernhindert, so schneidet er ihn ab und wirft ilm weg. Diß Abschnei-den ist böse und schrecklich den falschen Reben; daß er aber dieandern beschneidet, blatet und reiniget, läßt sie aber dennoch ste-hen, das ist ihnen kein Schade, sondern nütz und gut. Diesesaber ist ein Aoschneiden zum Feuer.

Dao ist nun, das wir auch sehen und klagen, daß in derChristenheit allezeit auch sind etliche falsche und untüchtige Reben,die nur Heerlinge tragen, daß man sie wegwerfen muß. Siekommen wol aus dem Weinstock, bleiben aber nicht drinnen, wer-den auch getauft, hören das Evangelium und haben Vergebungder Sünden, Summa, sie sind erstlich in Christo, wie er hiersagt, als an dem Weinstock; aber wenn sie fortfahren sollen, sowerden wilde Reben draus, die nur den bloßen Namen der Chri-sten haben, fühlen wol Gottes Wort, rühmen Gottes Ehre, brau-chen und gemessen des fremden Safts, daß sie groß daher wach-sen am Weinstock, wollen die Ehre und Ruhm haben, als diebesten Christen, könnens köstlicher und herrlicher vorgeben, denndie andern, und haben den Schein und Ansehen vor allen; aberes ist nichts dahinten, und findet sich, daß es eitel faul Holtz ist,ohne rechten Saft und Kraft, die das Wort nicht rechtschaffenlehren noch bekennen, und ist alles eitel falscher Schein. Dassind die ersten, so wir heißen Rottengeister und falschen Brüder.

Zum andern sinds auch die faulen Christen, welche wohldas Wort und rechte Lehre haben, doch mit dem Leben derselbigennicht nachfolgen, wollen nur thun und leben, wie sie gelüstet.Solche sind zwar auch nicht weit von jenen; denn es mangelt ih-nen nur an einem Meister. Denn solche lose, faule Christenlassen sich gar leichtlich umstossen durch Rotten und falsche Lehrer,welche, wenn sie kommen, finden sie bald an ihnen rechte Schüler,die schon dazu geschickt sind, als die der rechten Lehre schon überdrüs-

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