13« Capitel 14.
hast ihn recht gesehen und erkannt, wie man ihn sehen und ken-nen soll.
Denn an dieser Person Christi stehest du, daß er niemandsauer ansiehet, noch unfreundlich handelt, oder schrecket und vonsich jagt, sondern jedermann, beyde, mit Worten und Geberdenaufs freundlichste zu sich locket und reihet, erzeiget sich nicht an-ders, denn als ein Diener, der, jedermann gerne helfen will-also auch, daß er sich um deinetwillen läßt ans Creutz schlagen^und sein Blut mildiglich vergeußt. Das siehest du mit Augen-dazu hörest du mit Ohren nichts anders, denn eitel solche freund-liche, süsse, tröstliche Worte: Euer Hertz erschrecke nicht ?c. Kommtzu mir alle, die ihr mühselig und beladen seyd, Matth. 11, 2«.Wer an mich glaubet, soll nicht verloren werden, sondern dasewige Leben haben :c., Joh. 3, 16., und was solcher Sprüchemehr sind, welcher das gantze Evangelium Johannis voll ist.Daraus kannst du gewißlich schliefsen, daß er dir nicht feind ist,sondern alle Gnade und Wohlthat erzeigen will. Da bleibe beyund halte vest dran, dencke und siehe nicht weiter, und laß dichnichts irren, was dir anders vorkommt.
Wie du nun Christum hörest und siehest, also hörest du undsiehest gewißlich auch den Vater sich gegen dir erzeigen. Denndie Worte, so ich zu euch rede, spricht er bald hernach, (V. 10.)sind nicht mein, sondern meines Vaters, daß wer den Sohn sie-het und glaubet an ihn, habe das ewige Leben ?c., Joh. 6, 33.40. Wer nun solches mit dem Glauben fasset, der kann janicht dencken, daß Gott mit ihm zürne, oder ihn von sich flössenund verdammen wolle. Denn es ist ja hier kein Wort nochZeichen einiger Ungnade, sondern eitel freundliche, holdselige Worteund lieblicher, freundlicher Anblick, und Summa, eitel Brunstund Glut unaussprechlicher, vaterlicher, hertzlicher Liebe.
1V. Glaubest du nicht, daß ich im Vater und der Vater inmir ist? Die Worte, die ich rede, die rede ich nichtvon mir selbst. Der Vater aber, der in mir wohnet,der thut die Wercke.
Das ist alles dahin geredet, daß er diesen Hauptartickel, wieich gesagt habe, wohl einbilde und einblaue, daß man lerne ausden Augen und Hertzen thun alles, was da mag gelehret und ge-prediget werden, auch im Gesetz Mosis, vielmehr aus menschli-chem Verstände und eigenen Gedancken, wenn es dazu kömmt,daß der Mensch sich mit Gott bekümmern soll und seinen Willenerkundigen will, und allein das einige Stück fasse, daß er ihm